teleschau: Die berühmte Wellenlänge!
Marquardt: Genau. Die haben wir, weil wir zum Beispiel in einem ähnlichen Beruf arbeiten und verstehen können, wie es dem anderen geht. Oder, noch wichtiger, wir haben grundsätzlich ähnliche Werte - also Einigkeit in Fragen wie: Wie sollen Liebe und Erotik aussehen? Wie soll die Kindererziehung aussehen? Wollen wir überhaupt Kinder? Wie soll das Miteinander im Alltag funktionieren? - Wenn es bei diesen Dingen große Unterschiede gibt, dann kann die beste Kommunikation nichts retten. Es braucht eine Basis, eine ähnliche Sichtweise aufs Leben.
teleschau: Also Augen auf bei der Partnerwahl! Die entscheidenden Fehler passieren am Anfang, nicht wahr?
Marquardt: Wahrscheinlich, aber ich spreche ungern von Fehlern. Viele sagen halt nach einer Weile: "Oh, das hab' ich nicht gewusst." Aber ist das ein Fehler?
teleschau: Die rosarote Brille abzulegen, wäre vermutlich schon ratsam ...
Marquardt: Gewiss. Und: Normalerweise findet die Anziehung zwischen zwei Menschen auf einer unbewussten Ebene statt. Man findet sich attraktiv, verbringt vielleicht bald die erste Nacht zusammen, zunächst erfülle ich meinem Partner gern alle Wünsche und bin bereit, Dinge zu tun, die ich sonst nicht tun würde - alles eben rosarot!
teleschau: Und genau da geht's los!
Marquardt: (lacht) Genau da! Sobald wir beginnen, uns zu verbiegen, fängt es an, schief zu werden. Es ist wichtig von Anfang an darauf zu achten, dass es mir selbst gut geht, in dem was ich tue und was ich will. Immer mehr Kompromisse ... Bis irgendwann die Fetzen fliegen. So passiert es oft.
teleschau: Ihr Rat?
Marquardt: Es ist sicher gut, sich Zeit zu nehmen beim Kennenlernen und vor allem offen die eigenen Ansprüche zu artikulieren. Je offener wir am Anfang einer Beziehung sein können, desto größer die Chance, dass sie hält. Tipp: Den neuen Freund / die neue Freundin schnell mit dem eigenen Freundeskreis zusammenbringen! Und dann schauen, wie er oder sie sich integriert und hinhören, wie die Freunde den neuen Partner wahrnehmen.
teleschau: Meinen wir eigentlich alle dasselbe, wenn wir "Liebe" sagen?
Marquardt: Ganz bestimmt nicht. Auch hier ist es wichtig, dass sich die Partner austauschen. Darüber hinaus haben wir natürlich ein gesellschaftlich geprägtes Konzept von Liebe. Und ein romantisches Bild von Liebe, das sehr stark auch von den Medien mitgeprägt wird. Und wenn wir dem nicht entsprechen, nicht die glückliche Ehe, bis dass der Tod uns scheidet, führen, haben wir ein Problem
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