"Chancen für "Migrantenkinder"" - Mission Integration

Den Boulevardzeitungen war es eine Schlagzeile wert: Türkische Einwanderer seien in Deutschland am schlechtesten integriert, ergaben zu Jahresbeginn die Nachforschungen des privatfinanzierten Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Es lässt sich darüber streiten, ob man den Grad der Integration tatsächlich messen kann und ob es sinnvoll ist, diesen für recht willkürlich zusammengefasste Volksgruppen zu ermitteln. Unstrittig ist jedoch die Tatsache, dass die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer mit dem bisherigen Stand der Dinge unzufrieden ist - gerade in Bezug auf die "Chancen für 'Migrantenkinder'". ARTE macht sich in einem Themenabend auch ein paar Gedanken dazu.

"Wir müssen die Schulen zu Orten der Integration machen", bekräftigte Staatsministerin Böhmer auf der Bildungsmesse "didacta" ihr Anliegen. Bis 2012 wollen sie und die Länder das Leistungsniveau der Einwandererkinder dem der "Einheimischen" angepasst sehen. Böhmers Plan: "Mehr Geld, mehr Lehrer und Schulsozialarbeiter sowie mehr Zeit." Norbert Busè und Kathrin Sonderegger haben noch einen anderen Vorschlag parat: den internationalen Vergleich.

Wer nun die PISA-Alarmglocken schrillen hört, sei beruhigt: Den beiden Filmemachern geht es in ihrer Dokumentation "Die ideale Schule", mit der sie den Themenabend um 21.00 Uhr eröffnen, nicht darum, das deutsche Bildungssystem zu verdammen. Sie erinnern lediglich daran, dass nicht nur Deutschland ein Einwandererland ist und der Blick über den Tellerrand lohnt. Innerhalb von 50 Minuten stellt die Dokumentation Schüler in fünf verschiedenen Ländern vor: Malik und Eldine hadern mit ihrem französischen Pass, in den Niederlanden geben sich die türkischen Eltern von Zeynep größte Mühe, ihrer Tochter die bestmögliche Ausbildung finanzieren zu können.

Dass die immigrierten Eltern in der schulischen Entwicklung der Kinder eine wichtige Rolle spielen, erkannte man auch an der Fichtelgebirgs-Grundschule in Berlin-Kreuzberg. So werden die Väter und Mütter durch das "Rucksackprojekt" aktiver am Schulleben der Sprösslinge beteiligt. In Spanien setzt man hingegen auf Willkommensschulen, in denen Kinder wie die 16-jährige Guarda aus Marokko erst einmal einen Intensivkurs der neuen Muttersprache erhalten. Hier scheint man sie nicht zu kennen, die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen zwischen zwei Kulturen. Spanien glaubt an das Potenzial der Einwanderer.

Wie lohnenswert es ist, die Debatte einen Augenblick lang nicht aus der deutschen, sondern der Migrantenperspektive zu betrachten, stellte Bettina Braun bereits vor fünf Jahren fest. Vier junge Männer aus verschiedenen muslimischen Familien begleitete die Filmemacherin für ihre Milieustudie "Was lebst du?", die 2005 bei der Berlinale lief. Klischee um Klischee baute Braun darin ab und erlangte das Vertrauen ihrer Protagonisten. In ihrem neuen Dokumentarfilm "Was du willst" (21.55 Uhr) fragt sie nach, was aus ihnen geworden ist. Humor, Ehrlichkeit und Warmherzigkeit kennzeichnen diesen sehr privaten Einblick in das Leben der vier Migrantensöhne, die ihren Weg gehen wollen - mit allen Hürden, die noch vor ihnen liegen.

Um 22.35 Uhr schließt sich an die Dokumentationen eine Diskussionsrunde an

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