Ein Boxer nach der 15. Runde: Punklegende Iggy Pop macht auf "Préliminaires" Jazz und Pop

Viele seiner Art gibt es nicht. Die exzentrische Punklegende Iggy Pop, auch Frontmann der wiedervereinigten Stooges, darf tun und lassen was er will, musikalisch wie auch im Interview. Beim Gespräch hat er scheinbar einen besonders vergnügten Tag, zumindest lacht er sehr viel. Dabei macht Pop jetzt jazzigen Düster-Pop, lässt sich vom eloquenten Skandalautor Michel Houellebecq inspirieren und singt - beziehungsweise spricht - auf seinem Album "Préliminaires" (zu deutsch: Vorspiel) französisch. Auch sonst ist Iggy Pop eigentlich melancholisch, behauptet er. Alleine schon deshalb, weil es so eine verdammte Plagerei ist, den eigenen, mittlerweile 62-jährigen Körper in Schuss zu halten.

Iggy Pop: Worüber möchtest Du sprechen?

teleschau: Gerne darüber, warum auf dem Cover eine Frau und der Tod ein Glas Wein teilen.

Pop: Ja, das ist so. Das Bild stammt von Marjani Satrapi, der "Persepolis"-Autorin. Ich habe mich ja mit ihr getroffen, als sie an einer englischen Version Ihres Films arbeitete ... Diesen Sommer mache ich in Berlin noch einmal etwas für sie, ich werde einen Todesengel spielen, eine wiederkehrende Aufgabe für mich (lacht).

teleschau: Ein anderes Buch, Michel Houellebecqs Roman "Die Möglichkeit einer Insel", hat Sie zu Ihrem Album inspiriert.

Pop: Ja, ich sollte nur eine kleine Sache für eine Dokumentation über ihn machen. Doch seine Zukunftsvisionen haben mich nicht losgelassen. Der Roman ist so schön geschrieben, in einem sehr frischen Stil, der einen direkt anspricht.

teleschau: Empfinden Sie Houellebecq als Provokateur?

Pop: Das ist er für viele, nicht für mich. Ich werde immer wieder gefragt, ob ich mit ihm übereinstimme. Er sagt sehr oft die Wahrheit, eine Wahrheit, die viele nicht hören wollen. Außerdem ist er ein sehr guter Entertainer, weiß seine Bücher gut zu verkaufen. Ich kenne allerdings nur dieses eine, das ich sehr romantisch und seelenvoll finde. Es stellt gute Fragen. Zum Beispiel die, wer es denn verdient hätte, ewig zu leben.

teleschau: Fällt Ihnen jemand ein?

Pop: Nein (lacht und lacht), nein, vielleicht mein Hund. Der sympathischste Charakter im Buch ist auch der Hund, auf ihm liegt der Fokus. Und es passiert ja sehr oft, dass ein Tier eine Beziehung zusammenhält. Das ist dann so, ein Paar hat einen Hund. Er mag sie nicht, aber den Hund. Sie mag ihn nicht, aber den Hund. Der Hund mag sie beide. Und so bleiben sie zusammen, verstehst Du? Kennst Du solche Beziehungen?

teleschau: Zumindest habe ich bemerkt, dass die enge Beziehung zwischen Hund und Mensch in Ihrem Song "A Machine For Loving" thematisiert wird.

Pop: Im übertragenen Sinn ist ein Hund nichts anderes als eine Liebesmaschine, du stellst ihm einen Menschen vor - und ganz egal wie hässlich (Pause), pervers, entstellt oder dumm der Mensch ist, der Hund erfüllt seine Mission ihn zu lieben. Er liebt dich. Immer wenn ich diese Textzeilen lese, würgt es mich ein wenig. Das ist eine so wahre Erkenntnis. Auch mein Hund hat keinen Grund mich zu lieben.

teleschau: Was ist der größte Vorteil daran, ein Hund zu sein?

Pop: Ein schmales Ego. Mit einem kleinen Ego kommt man auf der Welt besser klar

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