Das Vertrauen zurückholen: Rückzieher vom Rückzieher: ARD und ZDF berichten wieder ausführlich von der Tour de France
(tsch) Was rund ist, das muss rollen. Bälle, Tonnen, tollkühne Männer auf dünnen Rädern den Berg hinunter. Und rollen müssen die Taler. Es war natürlich klar, dass die paar Doping-Skandälchen der letzten Jahre den Lauf der Welt nicht nachhaltig erschüttern. Ein Sturm im Wasserglas - zu mehr reichte es nicht. Die Tour de France findet statt: Frankreichs Straßen werden vom 05. bis 27. Juli auch in diesem Sommer wieder zur hitzeglühenden Asphalthölle, durch die sich ein als sauber deklariertes Peloton quält. Den überführten Sündern der vergangenen Jahre wurden Liebe und Einladungen entzogen, sodass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder mit gutem Gewissen übertragen kann. ARD und ZDF berichten umfangreich von der großen Schleife - nicht ohne sich vorher zum Vorreiter im Kampf gegen Doping erklärt zu haben.
Ganz offensichtlich gefallen sich die öffentlich-rechtlichen Sender in der Rolle als gutes Gewissen der Tour. "Der Ausstieg im vergangenen Jahr lag darin begründet, dass trotz gegenteiliger Versicheru

ngen ausgerechnet ein Fahrer eines deutschen Teams des Dopings überführt wurde und dass der Tour-Veranstalter in der ersten Rennwoche nach unseren Beobachtungen dei Fahrer nicht konsequent genug kontrollierten", stellte Rolf-Dieter Ganz, Pressesprecher des ARD-Teams bei der Tour de France klar. Der Rückzug von den Übertragungen sei als deutliches Signal nötig gewesen. "Das hat unserer Forderung nach einem sauberen Sport effektiv Nachdruck verliehen." Mittlerweile habe sich eine Menge bewegt, vor allem der Tour-Veranstalter hätten sich verlorenen Kredit zurückgeholt, begründete Ganz im selben Atemzug den Wiedereinstieg.
Dennoch mag der Rückzieher vom Rückzieher, der mit größter Natürlichkeit erfolgt, als sei nie etwas geschehen, überrasc

hend sein. Immerhin erreicht die Berichterstattung wieder "Normalniveau". Das heißt: Etwa 80 Stunden Live-Übertragung an den 21 Tourtagen, von denen ARD und ZDF im Wechsel berichten. Dabei soll die in den letzten Jahren bewährte Mischung beibehalten werden. "Wir werden die Tour wieder mit vielfältigen redaktionellen Beiträgen begleiten", verspricht Ganz und verweist auf ein Expertenteam, in dem Fachmänner für Tourismus, Renntaktik und auch Doping arbeiten. "Wir wollen zurück zum Sportlichen, zur Präsentation des Spektakels 'Tour de France', ohne dabei die dunklen Seiten des Radsports auszublenden. Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet."
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Peter Leissl, seit zehn Jahren für das ZDF Radsport-Reporte

r. "Ich hätte gerne den Schwerpunkt wieder auf das Sportliche gelegt", so sagt er und bekennt aber auch: "Die große Begeisterung von vor fünf, sechs Jahren ist abgebremst durch meine Ratio, durch den Verstand." Dopingfälle sind natürlich auch 2008 nicht auszuschließen. Aber, so Leissl: "Es geht bei den Rennen sehr viel enger zu als in früheren Zeiten." Dass dennoch die, die im Gesamtklassement Chancen hätten, auch künftig alles ausloteten, "was machbar ist und nicht auffindbar", könne leider nicht ausgeschlossen werden, ärgert er sich. Einige schwarze Schafe werde es immer wieder geben.
An ein Vorjahresszenario mit einem Ausstieg aus der Übertragung mag man bei ARD und ZDF aber nicht denken. "Dass Sportler zu unerlaubten Mitteln greifen, das hat es immer gegeben und das wird es immer geben, ganz verhindern lässt es sich leider nicht
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