Tim Roth: "Blockbusterkino braucht Mut"
(tsch) Mancher wird sich schon die Augen gerieben haben, als er Edward Norton auf der Besetzungsliste der "Hulk"-Neuauflage (Kinostart: 10.07.) gelesen hat. Noch mehr darf man sich über den Einsatz von Tim Roth als Gegenspieler wundern. Begegnet ist Roth in der Vergangenheit fast jedem Kinogänger einmal. Schließlich dauert die Karriere des Londoner Schauspielers mittlerweile 25 Jahre. Wenig große Erfolge waren dem kleinen blassen Mann mit dem meist unrasierten Gesicht vergönnt: Dennoch, er brillierte in "Reservoir Dogs", Quentin Tarantino schenkte ihm die Eröffnungssequenz in "Pulp Fiction". Und jetzt? Imitiert er den guten Anderen. Als Gegenspieler Emil Blonsky in der rund 125 Millionen Dollar schweren Marvel-Adaption. Er will auch zum Hulk werden: Imitation statt Innovation? Blockbuster-Kommerz statt Charakterrollen? Hat der 47-Jährige einfach die Nase voll von Lob im Underground? Er lacht. Wollte er die große Leinwand, weil man sich von Lorbeeren nichts kaufen kann? Er lacht wieder. Er wird noch des Öfteren lachen während dieses Interviews. Kein nettes Lachen, sondern eines, das schwer zu orten ist, vermutlich ist es Arroganz.
Eine Arroganz, die - so hat es den Anschein - darauf gründet, dass Roth selbst nicht genau weiß, wie er damit umgehen soll. Der frühe Herbst ist bei ihm jedenfalls golden. Und unser Sommer ist ein ein

ziges Tim-Roth-Special. Nach seinem Auftritt in Michael Hanekes "Funny Games U.S." als terrorisierter Familienvater startet zeitgleich zum unglaublichen "Hulk" das Franics-Ford-Coppola-Drama "Jugend ohne Jugend".
Der knapp 70-jährige Oscar-Preisträger und Regisseur des "Paten" gab Tim Roth die anspruchsvolle Hauptrolle, lässt ihn 124 Minuten lang nicht aus den Augen. Eine Ehre, derer sich der schon sehr lange in Los Angeles ansässige Schauspieler als würdig erwies. Das mit dem Sommerspecial gefällt ihm. Er lacht. Diesmal klingt es, als freut er sich. Das passiert selten. Die ihm eigene Bescheidenheit, gepaart mit seinem unglaublichen Pessimismus, verbietet ihm dies meist.
Dabei wird er gerade in Deutschland auch künftig im Mittelpunkt des Interesses stehen. Zurzeit steht er in

Kanada für die Neuverfilmung des Jack-London-Abenteuers "Der Seewolf" vor der Kamera, gemeinsam mit Sebastian Koch und Tobias Schenke. Aufttraggeber der internationalen Koproduktion ist das ZDF. Doch zunächst wird "Der unglaubliche Hulk" für ihn einen weiteren Popularitätsschub bedeuten. In den USA startete der Film furios.
teleschau: "Hulk"-Regisseur Louis Leterrier bot Ihnen die Rolle des Emil Blonsky an. Sehen Sie das als größten Fisch, den sie bisher an Land gezogen haben?
Tim Roth: Nein, eigentlich nicht. Das ist zwar eine große Studioproduktion und Marvel ist eine erfolgreiche Marke, aber ich finde es durchaus vergleichbar mit Tim Burtons "Planet der Affen". Der Emil Blonsky ist für mich allerdings eine ungewöhnliche Rolle.
teleschau: Warum?
Roth: Naja, weil

ich im Normalfall nicht für solche Blockbuster besetzt werde. Ich bin nicht der Typ Schauspieler. Aber "Hulk" war wirklich ein großer Spaß, denn ich wollte mal so eine Rolle spielen. Herumrennen und mit Maschinengewehren hantieren - großartig (lacht). "Hulk" hat sich eigentlich angefühlt, als drehten wir einen Independentfilm, aber mit sehr viel Geld. Eine tolle Mischung!
teleschau: Was war das Aufreibendste an dieser Rolle?
Roth: Der Regisseur wollte mich, Marvel hingegen nicht (lacht). Wie gesagt, es war eine unorthodoxe Wahl. Jetzt allerdings sind sie glücklich mit dieser Entwicklung. Normalerweise nimmt man einen großen Namen, ich aber stehe für Independent. Sie haben da einen Schritt in die richtige Richtung gemacht
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