Quoten, Pech und Pannen: Über eine Fußballübertragung, die in die Geschichte eingeht

(tsch) Es war ein denkwürdiges Fußballspiel, jenes Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei - freilich am wenigsten in spielerischer Hinsicht. Sieht man einmal von einem gigantischen und wirklich bemerkenswert fröhlichen wie fairen deutsch-türkischen Gesamtevent ab, von dem hier nicht weiter die Rede sein soll, war diese Begegnung auch fürs Fernsehen eine Art Jahrhundertspiel. Da war alles drin: ein Beinahe-Quotenrekord und ein tatsächlicher, ein Strom- und Bildausfall, ein Kommentator, der sich erst glücklos als Radioreporter versuchte und dann unfreiwillig zum Wahrsager mutierte, Dramatik bis zur allerletzten Sekunde. Nicht unbedingt großes Kino, diese Fernsehübertragung, aber in jedem Fall unvergessen.

Vorweg für alle ob der bildtechnisch reichlich vermasselten zweiten Halbszeit brüskierten Hardcore-Fußballfans: Das ZDF, das am Bildausfall völlig schuldlos war, hat die aufregenden zweiten 45 Minuten von Basel in der Mediathek online gestellt (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/526810?inPopup=true) - nun ohne Bildstörung, versteht sich, und ohne Kommentar.

Schuld waren ein Unwetter über Wien, wo das internationale EM-Fernsehzentrum IBC liegt, drei kurze Stromausfälle und ein technischer Defekt im Notstromsystem der Uefa. Es kamen also Pech und Unglück zusammen, mit dem Resultat, dass das Bild weg war - Ausfälle von insgesamt sechs Minuten wie in Deutschland bis hin zu fast 20 Minuten in anderen Ländern.

"Ein weltweites Problem", konstatierte Live-Reporter Béla Réthy im Zweiten, das dann aber gut und schnell reagierte: Die Mainzer schalteten sich auf die Schweizer Übertragung, die dank eines Glasfaserkabels direkt aus dem Baseler Stadion zum Sender reibungslos weiterlief. So verpassten die deutschen Zuschauer wenigstens keine spielentscheidenden Szenen - wobei noch gar nicht sicher ist, ob die Rechtslage diesen Schritt eigentlich zuließ: Die Sender haben ja Exklusivverträge mit der Uefa. Ein Nachspiel wird es in jedem Fall geben, wenn sich die Uefa den Schadensersatzforderungen aus aller Herren Länder gegenübersieht. Das Gros der internationalen Zuschauer (rund 100 Fernsehstationen waren dabei) verpasste das 2:1 und das 2:2. Ein Desaster.

Ein solches erlebte zwischenzeitlich auch der arme Béla Réthy. "Plötzlich hieß es: 'Mach mal Radio!", stöhnte er in der Bildzeitung. Der Fernsehmann machte, scheiterte jedoch recht kläglich, im Bemühen, den Bildausfall in Radioreportermanier zu überbrücken. Mit unzureichenden Schilderungen des Spielgeschehens machte der von dieser Situation allerdings auch völlig unvorbereitet getroffene TV-Kommentator sehr deutlich, was für ein hartes Brot die gepflegte Radioreportage ist. Die Zunft der gelernten Stadionquassler sollte es ihm danken. Jedenfalls waren an die 30 Millionen Fernsehzuschauer und die vielen Public-Viewing-Fans erleichtert und konnten gleichzeitig Réthys Erleichterung hören, als dieser endlich feststellte: "Da Sie einen Mann mit Vollbart sehen, können Sie sehen, dass das Bild wieder da ist."

Damit war allerdings noch lange nicht alles gut. Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als sie Béla Réthy Dinge sagen hörten, die mit dem Spielgeschehen nicht ohne Weiteres in Verbindung zu bringen waren

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