"Icke bin Balinerin", antwortet sie im weichsten Berliner Sound, als wir sie danach fragen, ob sie sich als "echte" Berlinerin fühlt. Immerhin wurde sie 1977 in Potsdam, damals noch Deutsche Demokrati

sche Republik, geboren. Erst sei sie Ossi, dann Ossiwessi gewesen, dann nur noch Wessi, sagt sie lachend. Aber man solle so was nicht schreiben, es könnte in die falsche Kehle geraten.
Mit dem Privaten hält sie es gerade ebenso. Sie habe sich nun mal entschlossen und es auch so kundgetan, dass sie über ihr Privatleben nichts sagen wolle, und daran halte sie sich. Sagt's dermaßen charmant, dass man kaum eine Möglichkeit sieht, dagegen anzugehen. Nicht in diesem gemütlichen Müll-Ambiente zumal, und schon gar nicht bei eilig hinuntergekauten Shrimps-Häppchen zwischen Tür und Angel am Stiel.
Esther Zimmering ist ja beileibe kein unbeschriebenes Blatt. Sie hat ihre Ausbildung an der renommierten Schauspielschule "Ernst Busch" genossen. Sie bekam 2003 für "Der Liebe entgegen" den deu

tschen Nachwuchs-Filmpreis, für "Kleine Schwester" 2004 einen Darstellerpreis beim Fernsehfestival in Baden-Baden, und, und, und. In ihrer Vita ist gar eine Goldene Schallplatte aufgelistet, die sie zusammen mit der Band "Wolfsheim" bekam.
Da steht sie nun, die mit ihren 30 Jahren immer noch ziemlich junge Frau, und bestätigt mit ihrer lichten Höhe (1,61 Meter) die alte These, dass die kleineren Schauspieler sehr oft die Besseren sind. Und leuchtet mit ihren dunklen braunen Augen. - Ob man eigentlich wisse, wie groß Romy Schneider gewesen sei, hatte sie bei einem früheren Gespräch gefragt. Die Antwort ließ sich leicht erraten. Damals hatte sie auch noch vom Nutzen des (Theater-)Spielens in der Provinz erzählt und die Ortsnamen "Anklam" oder "Senftenberg" auf der Zunge zergehen lassen.

Gleich nach dem Mauerfall spielte die Arzttochter an einer Jugendbühne in Charlottenburg in Ariane Mnouchkines "1789" den, wie sie sagt, "roten Faden der Revolution", als Bäuerin mit gackerndem Huhn.
Jetzt also die Mülltante, die "Schlampe", wie sie die Tochter im Film mal zärtlich nennt. Die Messie-Frau. "Diese Ellen ist eine Mischung aus ganz vielen, mit denen ich gesprochen habe", sagt sie ein wenig brav und erläutert, dass eine wie diese Ellen "nicht nur die Wohnung, sondern auch die Seele" aufräumen muss. Als Filmmutter hat sie eine zwölfjährige Filmtochter, die aus arbeitsrechtlichen Gründen - täglich sind für Jugendliche nur fünf Stunden erlaubt - Zwillinge (Gina und Sandy Holzapfel) spielen
1
·
2