Elzemarieke de Vos: Vorfreude auf Essen, Luft und Berge

(tsch) So fallen nicht viele vom Himmel ins TV-Schauspielergewerbe: Mit einem Plumps kracht Elzemarieke de Vos in der Sommerkomödie "Juli mit Delphin" (Mittwoch, 30.07, 20.15 Uhr, ARD) vom Dach, den "Kommissar" Udo Wachtveitl mit sich in die Tiefe ziehend, ins nahe Tannengehölz hinein. Wachtveitl, diesmal kein Tatort-Kommissar, sondern ein gewöhnlicher Fahrlehrer und Nachbar, hatte die junge Frau retten wollen, als sie hilflos an der Dachtraufe hing. Nach harter Landung beider bescheinigt sie ihm, er stehe ja "ganz schön unter Schock". Beginn eines sanften Sommermärchens, das nicht gut enden kann. Er ist verheiratet, sie vielleicht noch ein Kind. Am Ende siegt die Vernunft ...

Natürlich ist Elzemarieke de Vos nicht selbst vom Dach gejumpt. Sie hat das brav einer Stuntfrau überlassen, die Knochen blieben also heil. "Sieht doch gut aus!", sagt die 24-jährige Schauspielerin mit holländischem Pass (geboren in Walwijk, Nordbrabant), nachdem sie den Film gesehen hat. Dabei ist ihre sportliche Vita beeindruckend. Neben dem üblichen Bühnenfechten sind da der brasilianische Kampfsport Capuera, Wildwasserkanu, Snowboarden, Windsurfen und Streetdance aufgeführt.

"Ich musste da ganz lange hängen", erzählt die dunkelblonde Schauspielerin mit den Riesenaugen und der Stupsnase, "aber Gott sei Dank habe ich keine Höhenangst". Im Gespräch entpuppt sie sich als abenteuerlustiger Gemeinschaftsmensch, der offenbar nichts mehr liebt, als in einem festen Ensemble zu spielen. Eine Erklärung? - "Ich bin zwischen zwei Brüdern aufgewachsen, altersmäßig genau in der Mitte." Und wieso Österreich, und wieso Schaubühne Berlin und "Juli mit Delphin"? - "Meine Eltern zogen aus Holland nach Osttirol, sie eröffneten ein Hotel in Großglocknernähe, weil sie in die Natur wollten, weg von der Stadt." Also Großglockner, also Osttirol.

Der Großglockner der Schauspielerin de Vos ist seit einem Jahr die Schaubühne Berlin, ein legendärer Theaterort. "Ich wollte immer an die Schaubühne", sagt sie. "Ich war mal auf Urlaub in Berlin und sofort fasziniert von deren Art des Spielens - lauter junge Leute, sehr modern. So was hatten wir selten in Tirol." Die Ausbildung führte sie über Innsbruck und Wien (Musical) nach Berlin, an die Ernst-Busch-Schauspielschule. Noch während des Studiums kamen anspruchsvolle Bühnenrollen auf sie zu. Die Kritiken lesen sich Ehrfurcht gebietend.

Wer nach dem Beziehungs-Sommerstück "Juli mit Delphin" - es geht um zwei, die sich gerne hätten, das dann aber doch nicht können oder wollen - glaubt, die Schauspielerin könne nur komisch, wird gleich eines Besseren belehrt. Sie selbst sagt von sich: "Ich bin nah am Wasser gebaut, ich spiele gerne Dramen", und der Kritiker von der örtlichen "BZ" sah in Tschechovs "Kirschgarten" eine "vor Lebensangst verknöcherte Warja" und in "Stoning Mary" von Debbie Tucker Green eine beeindruckende zum Tod Verurteilte, die eine "Verfluchungsarie der Wohlstandsgesellschaft" zum Besten gibt.

Ob sie sich vorstellen könne, mal in die Fußstapfen ihres Partners Wachtveitl als Fernsehkommissarin zu treten? - "Auf alle Fälle", sagt sie spontan, betrachtet sich aber dann "noch zu sehr ans Theater gebunden"

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