Draufhalten auf die Fallhöhe des Lebens: RTL präsentiert sein neues Fernsehprogramm für die Saison 2008 / 2009

(tsch) Bildet das Programm von RTL die deutsche Lebenswirklichkeit ab? Eine Frage, die schwerer zu beantworten ist, als es auf den ersten Blick scheint. Mit "Bauer sucht Frau", "Raus aus den Schulden" oder "Die Super Nanny" produzierte der Kölner Privatsender im letzten Jahr die Mehrheit der erfolgreichsten Reality-Formate im deutschen Fernsehen. Insgesamt kamen neun der zehn meistgesehenen Sendungen im Segment "Dokusoap und Reality" aus dem Hause RTL - nur ProSieben konnte sich mit "Germany's Next Topmodel" dazwischenmogeln. "Die non-fiktionale Unterhaltung hat im letzten Jahr die Fictionformate fast immer geschlagen", analysierte RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt einen TV-Trend bei der Hamburger Pressekonferenz zur Vorstellung ihres neuen Programms. Zum 25. Geburtstag des Senders, der in dieser Saison ansteht, wurden die an der Realität angelehnten RTL-Formate entsprechend ausgebaut. Die Kölner TV-Managerin kündigte dennoch auch neue Serien, TV-Movies und sogar unerwartete Sporthighlights an.

Zugzwang sieht anders aus. Mit 16 Prozent Marktanteil präsentiert sich RTL - laut einer eigenen Statistik - als Marktführer in der jungen Zielgruppe. Es folgen ProSieben (11,8), Sat.1 (10,8), vox (7,9) ARD (7,2), und ZDF (6,7). Mit "Dr. House" nennt RTL die erfolgreichste Serie im deutschen Fernsehen sein Eigen und belegt auch mit "CSI Miami", "Monk", "CSI - Den Tätern auf der Spur", "Psych" und "CSI New York" die Folgeplätze - Ergebnisse wie bei Wahlen mit kommunistischen Einheitsparteien. All diese Formate sollen im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Eine neue US-Serie hatte Schäferkordt nicht im Gepäck - warum auch.

Die RTL-Chefin, eine eher nüchterne Herrin der Zahlen, fasste einige Lehren des gegenwärtigen TV-Marktes zu Thesen zusammen: Realität schlägt Fiction, hieß es da, und dass die Deutschen lieber US-Serien als einheimische Produkte gucken. Dazu existiere im "zunehmend fragmentierten TV-Markt der 150 digitalen Kanäle" der Wunsch nach Orientierung und festen Programmschemata, so Schäferkordt. "Außerdem finden sich in den Top-Ten der erfolgreichsten Sendungen des letzten Jahres fast keine Formate, die erst in der letzten Saison gestartet sind. Eine weitere wichtige Erkenntnis des gegenwärtigen Fernsehmarktes lautet: Etabliertes schlägt Neues."

Trotzdem musste natürlich auch ein wenig aus der Entwicklungsabteilung des Senders nachgelegt werden. Ausgerechnet mit dem Problemsegment "deutsche Serie" will RTL demnach ab Ende August seine einzige eklatante Schwachstelle im Programm kitten. Der chronisch miese Nachmittag soll mit "112 - Sie retten dein Leben" aufgeforstet werden. Die tägliche Serie rund um ein Team aus Polizei, Notärzten und Feuerwehr kommt aus dem Hause "Action Concept" ("Alarm für Cobra 11 - Die Aubahnpolizei") und stellt als tägliches Format von etwas mehr als 20 Minuten ein Novum im Action-Segment dar.

Weil die Macher von RTL-Dauerbrenner "Cobra 11" derzeit die Einzigen in Deutschland zu sein scheinen, die mit inländischer Serienware Erfolg haben, dürfen die Kölner Kracherproduzenten dem Zuschauer noch eine weitere Serie auftischen: "Lasko", gespielt von Schauspieler und Kung-Fu-Crack Mathis Landwehr, erzählt von einem jungen katholischen Mönch, der im Auftrag des Vatikans weltweit gegen das Böse kämpft. Bereits fürs letzte Jahr angekündigt, doch scheinbar erst jetzt startklar ist die zweite neue Primetime-Serie "Die 25. Stunde". Claudia Michelsen spielt darin eine Reporterin, die in Momenten größter emotionaler Erregung die Fähigkeit besitzt, eine Stunde in die Vergangenheit zu reisen, um den Lauf der Dinge zu verändern

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