"Bis sich etwas zum Besseren wendet ...": Manfred Karremann kämpft für Kinderschutz ("Wir sind doch Kinder", Mi., 30.07., ZDF, 00.00 Uhr)
(tsch) "Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet", heißt es oft. Stimmt aber nicht. "Es darf einfach keine Toleranz für Gewalt gegen ein Kind geben", sagt Manfred Karremann. Der Diplom-Sozialpädagoge und TV-Journalist ist bekannt dafür, intensiv dort zu recherchieren, wo es wirklich weh tut: Massentier-Transporter, die Pädophilen-Szene und nun Tatorte des Kindesmissbrauchs. "Ich bezeichne es immer als 'Projekt', wenn ich mich lange und schwerpunktmäßig mit einem Thema befasse. In diesem Fall fand ich: Die misshandelten Kinder lagen an." Aber nicht nur die Misshandlung von Kindern, sondern gleichwertig auch das Aussetzen von Säuglingen sind Thema in seinem eindringlichen Film "Wir sind doch Kinder". Ursprünglich mit dem Titel "Auf dem Rücken der Kinder" angekündigt, war die Dokumentation im Rahmen von "scobel" im April bei 3sat in Erstausstrahlung zu sehen. Nun zeigt sie das ZDF noch einmal (Mi., 30.07., 00.00 Uhr). Manfred Karremann hat ein klares Ziel: Es muss sich etwas bewegen zum Schutz der Kinder.
teleschau: Herr Karremann, welche Reaktionen bekamen Sie nach der Erstausstrahlung Ihrer Dokumentation bei 3sat?
Manfred Karremann: Es hat sich zum Beispiel ein Golfklub aus dem Ruhrgebiet geme

ldet, der Benefiz-Turniere für den Baby-Notruf veranstalten möchte. So etwas finde ich klasse! Deshalb spreche ich bei meiner Arbeit von "Projekten". Mir reicht es nicht, zu sagen: Jetzt machen wir mal einen Film über dieses Thema. Wir bearbeiten es sensibel, aber solange, bis sich etwas zum Besseren wendet. Es würde mich sehr frustrieren, einfach nur zu berichten. - Und es haben sich auch überraschend viele Leute gemeldet, die die Erfahrung der Misshandlung gemacht haben.
teleschau: Was sagten sie dazu?
Karremann: Sie haben auch gefordert, das noch öfter zu thematisieren.
teleschau: Waren es die vielen schlimmen Schlagzeilen der letzten Jahre, die Sie dazu bewogen haben, den Schutz der Kinder zu Ihrem neuen Projekt zu erklären?
K

arremann: Ich hatte den Eindruck, da bewegt sich nichts. Oder nur wenig und nur auf lokaler Ebene. Das bestätigte sich im Laufe meiner Recherchen. Es gibt viele sinnvolle Initiativen, viel guten Willen von Polizei-Dienststellen und Kinderschutz. Aber umfassende Angebote oder Lösungen werden nicht so vorangetrieben, wie es sein sollte.
teleschau: Wie sollte es Ihrer Meinung nach sein?
Karremann: Mehr Prävention - darauf legten wir bei "37°: Was geschah mit Karolina" (war im März im ZDF zu sehen, d. Red.) und "Wir sind doch Kinder" den Schwerpunkt - und die vor allem flächendeckend. Ich hatte zum Beispiel gefordert, einen zentralen Baby-Notruf einzurichten - der vielleicht sogar mit Anonymität etwa an das DRK angebunden wäre. Ich glaube, dass dann

sehr viele Säuglinge nicht sterben müssten.
teleschau: Über zwei solcher Fälle sprechen Sie auch in Ihrem Film ...
Karremann: Eine Frau in Bayern, weit draußen auf dem Land, wollte ihren Säugling gar nicht töten. Sie lief im Ort herum auf der Suche nach einem Platz, wo sie es ablegen konnte. Aber sie hatte Angst, dass dem Kind dabei etwas zustoßen könnte. Danach hat sie es - wieder zu Hause - in Panik getötet. Die Psychologen bezeichnen das als einen Ausnahmezustand nach der Geburt. Im zweiten Fall erfriert das ausgesetzte Kind. Es müsste einen zentralen Notruf geben, durch den die Frauen den Säugling abholen lassen und sechs Wochen Bedenkzeit bekommen können. Und es müsste Datenschutz gewährleistet werden. Aber das sind rechtsfreie Räume
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