"Vom Besatzer zum Freund": Regina Ziegler produzierte eine RBB-Dokumentation zur deutsch-amerikanischen Beziehung

(tsch) Was verbindet uns mit den USA? Ist es Freundschaft? Liebe? Oder doch eher die "gleichberechtigte Partnerschaft", die Politiker so gerne zitieren? "Mit den USA ist niemand gleichberechtigt", sagt mit Joschka Fischer einer, der es genauestens wissen muss, ganz nüchtern in der bemerkenswerten Ziegler-Film-Dokumentation "Großer Bruder Uncle Sam". Ein Film, der sich mit der deutsch-amerikanischen Freundschaft auseinandersetzt und in 45 Minuten einen chronologischen Abriss liefert, aber auch mit erstklassigen und exklusiven Innenansichten einer durchaus nicht unkomplizierten Beziehung aufwartet. Neben Fischer kommen unter anderem Egon Bahr, 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, der ehemalige US-Botschafter John C. Kornblum oder Helmut Kohls Kanzleramtschef Horst Teltschik, der sich in launigen Worten auch an die Care-Pakete in seiner Kindheit erinnert, zu Wort.

Warum es der von Ziegler-Chefin Regina Ziegler für den Rundfunk Berlin Brandenburg produzierte Dokumentarfilm nicht ins Erste Programm der ARD geschafft hat, erscheint rätselhaft - zumal es mit der Eröffnung der neuen amerikanischen Botschaft in Berlin am 04. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, einen recht gewichtigen Anlass für die Ausstrahlung gegeben hätte. Immerhin läuft "Großer Bruder Uncle Sam" (Regie: Matthias Unterburg) gleich in zwei Dritten Programmen: Am Donnerstag, 03. Juli, wird er im RBB (22.05 Uhr) und im WDR-Fernsehen (23.10 Uhr) ausgestrahlt.

"Ich glaube, dass es in der heutigen Zeit wichtig ist, eine solche langlebige wechselseitige Beziehung aufzuarbeiten", erklärt Regina Ziegler, die mit diesem Film durchaus ein Zeichen gegen die verbreitete anti-amerikanische Haltung in den letzten Jahren habe setzen wollen. "Ich bin wirklich ein bisschen stolz auf diese Arbeit", sagt sie.

Gerade Berlin habe den Amerikanern viel zu verdanken, betont die bekannte TV-Produzentin. Sie selbst kam 1964 als 20-Jährige nach Berlin und erinnert sich heute an eine Stadt, "die sich vom Zweiten Weltkrieg so langsam erholen konnte, aber bundesweit sicher nicht das Ziel aller Träume war". In der Dokumentation kulminieren die deutsch-amerikanischen Beziehungen immer wieder am Schauplatz Berlin. Luftbrücke, die Gründung des Senders AFN, Kalter Krieg inklusive diverser Geheimdienst-Grabenkriege, Kennedys berühmtes "Ich bin ein Berliner" oder Ronald Reagan, der vor dem Brandenburger Tor stehend forderte: "Mister Gorbatschow, tear down this wall!" - natürlich werden all die markanten historischen Stationen mit authentischem Bildmaterial gebührend abgefeiert.

Spannender sind hier aber die Ansichten der prominenten Zeitzeugen. Joschka Fischer, der so Ziegler, bei diesem Thema "überaus aufgeschlossen war", erinnert sich an die 50er-Jahre, in denen er als Taxifahrer die AFN-Hits genoss. Amerika, so erklärt der ehemalige Bundesaußenminister, habe für ihn "realisierte Freiheit" bedeutet. Verglichen mit der eigenen Vatergeneration seien die GIs nun einmal "einfach cool" gewesen.

Egon Bahr über die Anfänge der deutsch-amerikanischen Freundschaft: "Der eigentliche politische Beginn des Verhältnisses zu Amerika begann in dem Moment, als die Sowjetunion eine de facto Blockade machte, das war der Punkt, an dem die Sowjetunion den Kampf um die deutschen Seelen verlor ... und das war gleichzeitig eine Umwandlung des Verhältnisses zu Amerika in der Umwandlung vom Besatzer zum Freund

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