" (Wo haben die nur all diese politisch interessierten Leute so früh hergekriegt?) Noch eine Schalte nach Dresden, wo eigentlich nichts passiert, außer dass alle darauf warten, dass Obama mal aus dem Hotel kommt, dann ein Umfrageergebnis der Forschungsgruppe Wahlen zum EU-Beitritt der Türkei. Und endlich die ersten Statements der Kandidaten.

Jeder hat 40 Sekunden - damit das Ultimatum ja keiner vergisst, läuft parallel eine Zeitskala auf dem Bildschirm mit. Adrenalin pur, mein lieber Mann. Kurzatmig geht's weiter, immer wieder Einspieler, ein paar seltsame Symbole (Daumen hoch, Daumen runter, so ganz traut man der morgendlichen Urteilskraft der Zuschauer wohl doch nicht). Alles zack-zack-zack. Nächste Frage. Und ein neuer Schlagabtausch zum selben Thema, jetzt ohne Zeitskala, aber hier wird nicht lange gefackelt, in weniger als 25 Minuten muss alles durchgepaukt sein. Wieder zu Patricia Schäfer ins Publikum. Dort sitzt der Schauspieler Tayfun Bademsoy und sagt auch etwas ...

So geht sie also die "moma-arena". Keine Frage, wach wird man dabei, auch wenn man sich am Ende fühlt, wie mit dem falschen Fuß aufgestanden. Am Schluss ist klar, dass auch 25 hektische Fernsehminuten sehr lang sein können, wenn monothematisch und oberflächlich längst bekannte Wahlkampfargumente ausgetauscht werden. Was bleibt hängen? Irgendwas war mit "Kopenhagener Kriterien", Menschenrechten und: Dürfen Kirchen in der Türkei gebaut werden? Ach, egal ... In einer kurzen Schlussrunde macht Sievers noch mal ein ordentliches Fass auf: "In zehn Jahren, was glauben Sie, wo wird die Türkei dann sein?"

Im Auto auf dem Weg ins Büro denkt man zwar nicht über eine Antwort nach, aber es schießen einem doch ein paar konkrete Gedanken zur Beurteilung der Sendung durch den Kopf. Zum Beispiel: hochprofessionell gemacht, verschärft und zugespitzt, Hut ab vor den Moderatoren, wie die das um diese Uhrzeit durchziehen, kennt man so vom "Moma"-Team. Aber auch: Da verlieren 228 Menschen bei einem Flugzeugabsturz ihr Leben, und diese Leute im Fernsehen echauffieren sich im künstlich aufgeheizten Streitgespräch über so dermaßen ungelegte Eier. Geht's noch? Wo ist die Relation? Kommt mal runter, fahrt einen Gang zurück. Kurzum: Die frühe Talk-Idee ist eigentlich sensationell, aber bitte nicht in dieser journalistisch pseudozugespitzten, absolut unkomischen Form. Es geht auch geschmeidiger, Leute. Es ist morgens um acht!

Insgesamt sieben Sendungen sind zwischen dem 5. Juni und 11. September jeweils freitags in den ZDF-Sendewochen des "Morgenmagazins" geplant

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