Benicio Del Toro: Ein dunkles Genie

Es begann mit einer Nebenrolle. 1987 als kleiner Ganove in der Fernsehserie "Miami Vice". Ein langer Weg bis zur mythisch verklärten Freiheitskampf-Popikone Che Guevara, den der heute 42-jährige Benicio Del Toro nun in Steven Soderberghs "Che - Revolucion" (Kinostart: 11. Juni) und "Che - Guerilla" (Kinostart: 23. Juli) spielt. Del Toros Filmografie ist wahrlich nicht arm an Höhepunkten. In "Die üblichen Verdächtigen" (1995) und "Fear And Loathing In Las Vegas" (1998) spielte der ruppige Latino zwei absolute Top-Rollen, um die ihn wohl einige Kollegen in Hollywood beneiden. Aber auch der Neo-Western "Way Of The Gun" (2000) oder "Sin City" (2005) zählen zu kleinen und großen cineastischen Meisterwerken, die ihn zum vielleicht coolsten Darsteller des US-Kinos machten.

Für Steven Soderberghs Che-Guevara-Verfilmung hatte der 1967 in Puerto Rico geborene Darsteller gleich zwei große Aufgaben zu bewältigen. Neben der Verkörperung der Hauptfigur fungierte Del Toro als Produzent. Der Latino, der normalerweise seine Filme mit der letzten Klappe ad acta legt, musste bei dem Double-Feature eine neue Erfahrung machen. Als Produzent trägt er eine finanzielle Mitverantwortung. Die Distanz zu dem in den USA gescheiterten Biopic wird sich wohl erst einstellen, wenn sein nächstes Projekt "The Wolfman" (2009) Kinopremiere feiert. Zwar ist er bei der Neuauflage des Werwolf-Klassikers von 1941 wieder als Produzent involviert. Doch die Tatsache, dass er die Universal Studios im Rücken weiß, lässt das Projekt deutlich weniger riskant werden.

"Benny der Troublemaker", einst sein Spitzname in der Schauspielszene, wuchs als Kind eines Anwaltspaares zunächst in Puerto Rico auf, bevor er nach dem Tod seiner Mutter mit dem Vater in die USA nach Pennsylvania auswanderte. Dass der Sohn in die Fußstapfen seiner Eltern tritt, war fest vorgesehen. Der Abbruch des Jura-Studiums an der University Of California in San Diego war für den Vater eine herbe Enttäuschung, die Del Toro spätestens mit dem Oscar für die beste Nebenrolle in "Traffic" (2000) vergessen machte.

Sein Kumpel Sean Penn, mit dem Benicio Del Toro demnächst für "The Three Stooges" vor der Kamera steht, beschrieb seinen Kollegen einst als schauspielerndes Tier, das aus der Wildnis kommt und jeden Film besser macht. Und Regisseur Terry Gilliam ("Fear And Loathing In Las Vegas") schätzt an ihm seine dunkle, grüblerische und gefährliche Aura, die den Lateinamerikaner so sexy mache. Eine Ausstrahlung, die sicher zum Teil auch den Augenringen geschuldet ist, die Tagträumer Del Toro seit seiner Kindheit hat und die in der Schulzeit für das Gerücht sorgten, dass der Puerto Ricaner mit italienischen Wurzeln ein Junkie sei. Mittlerweile ist jenes anatomische Merkmal ein Markenzeichen des unverheirateten Charakterdarstellers geworden.

Die Figur des Saubermanns, der ein konventionell-geordnetes Dasein führt, ist nicht Del Toros Stärke. Vielmehr blüht der leidenschaftliche Bruce-Springsteen-Fan in Außenseiter-Rollen auf, die etwas Grenzwertiges in sich tragen. In "21 Gramm" (2003) gab er einen Ex-Sträfling, der nach einem von ihm verursachten tödlichen Unfall Fahrerflucht begeht. Die innere Zerrissenheit, der Schlagabtausch zwischen Gut und Böse, die sich in der Figur des Jack Jordan abspielen, zeigen eindrucksvoll die Intensität, die Del Toro erzeugen kann

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