"Factotum" - Arm, aber trinkfest

(tsch) Nie zuvor wurde einem Schriftsteller erlaubt, so vulgär zu sein wie Charles Bukowski (1920 - 1994). Dank seiner peitschenden Fantasie wurde aus der Gossenkomödie "Barfly" (1987, nominiert für die Goldene Palme und den Golden Globe), für die der Kultautor selbst das Drehbuch schrieb, weit mehr als nur ein Nischenerfolg. In der Verfilmung des Romans "Factotum" (2005), die ARTE nun in einer Erstausstrahlung zeigt, versucht sich diesmal nicht Mickey Rourke, sondern Matt Dillon an Bukowskis Alter Ego Henry Chinaski. Er bietet eine großartige Vorstellung als saufender, erfolgloser Schriftsteller. Doch auch diese Leistung des Hauptdarstellers kann über die erzählerischen Schwächen der schwarz-humorigen Tragikomödie nicht hinwegtäuschen.

"Factotum" Chinaski macht Aushilfsjobs. Daran stört ihn weniger das Niveau als vielmehr die eintretende Müdigkeit. Was ihm die Erkenntnis bringt, dass große Liebhaber immer auch große Müßiggänger waren. Und so lebt er der Libido zuliebe teilweise auf Kosten anderer. Der arme Poet flucht, das Messingbett schwankt im Halbdunkel: Das ist die Welt, in der man Charles Bukowski vermutet. Die sonore Stimme Dillons liegt in rauchigen Wolken über dem Zimmer, zitiert die selbst geschaffene Poesie. So könnte das ewig weitergehen ...

Das tut es auch - und genau das ist das Problem von "Factotum". Regisseur Bent Hamer ("Kitchen Stories") fällt es zunehmend schwerer, den Kreislauf zu inszenieren, den der selbstherrliche Außenseiter nicht verlassen wird. So mögen die Bilder noch so schmutzig sein, sie wirken wie aufgefädelt, hilflos aneinandergereiht. Neue Jobs unterscheiden sich nicht von den alten, Frauen (Marisa Tomei, Lili Taylor) kommen und gehen.

Viel zu selten wird der Akteur selbst aktiv, viel zu wenig schaut man hinter die Kulisse, um zu erahnen, was die Faszination oder auch Tragik dieses Menschen ausmacht. Was fehlt, ist der Spannungsbogen, das Motiv oder schlicht ein Gefühl. So konzentriert sich das Geschehen auf Dillon und zerreibt seine mutige Performance. - Nachdem er gerade das Drama "Nothing but the Truth" und die Komödie "Old Dogs" abgedreht hat, steht der vielseitige Schauspieler derzeit für den Thriller "Armored" vor der Kamera.
Ausstrahlung am 18.06.2008 um 22:55 Uhr auf ARTE Autor: Franziska Kramer/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / John Christian Rosenlund

Bilder-Galerie


Weiterführende Links


Tageshoroskop bei Yahoo!
 
Lifestyle RSS Feed
Lifestyle auf mein Yahoo!
Die häufigsten Fragen zu RSS 
 
 
Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten
Wir über uns - Hilfe - Jobs@Yahoo! - Yahoo! Services - Datenschutz - AGB