Pierce Brosnan: "Man muss das Alter feiern"

(tsch) Der Abschied von James Bond war eine Befreiung für Pierce Brosnan. 007 klebte wie ein alter Kaugummi an dem Iren. Losgelöst davon probiert der 55-Jährige nun lustvoll aus: Im nächsten Jahr kehrt er als Meisterdieb im zweiten Teil der "Thomas Crown Affäre" ins Kino zurück, gerade übt er sich als Ehebrecher in der Beziehungskomödie "Married Life" und spielt jetzt auch in der Musicalverfilmung "Mamma Mia!" (Start: 17.7.). Als Ex-Liebhaber von Meryl Streep singt er sich darin vor griechischer Ferienkulisse mit Abba-Songs zurück in deren Herz. Auf Brosnans sängerische Qualitäten ist die Rückeroberung nicht zurückzuführen, wohl aber auf seine Eigenironie und den Spaß am Spiel. Im Interview plaudert Pierce Brosnan über Lampenfieber, Jugendwahn und Sport.

teleschau: Gratulation: Sie dürfen im Film immerhin den Superklassiker "S.O.S." schmettern. Hat's Spaß gemacht?

Pierce Brosnan: Vor 200 Leuten am Set, einschließlich der beiden Abba-Veteranen Benny und Björn, diesen Song singen zu müssen, war ganz sicher kein Spaß! Ich habe die Nacht vor dem Dreh kein Auge zugemacht und unter Lampenfieber gelitten wie schon seit der Schauspielschule nicht mehr. Vor allem deshalb, weil Meryl Streep viel besser singen kann als ich.

teleschau: Aber Sie haben doch sicher lange geprobt?

Brosnan: Unter der Dusche, im Garten, im Auto, einfach überall. Irgendwann fand ich mich richtig gut und habe jeden Morgen meine Söhne auf der Fahrt in die Schule mit meinem Geträller gequält, bis sie mich anfuhren: "Dad, du treibst uns in den Wahnsinn!" Aber was wissen die schon von Musik! Vielleicht starte ich ja eine zweite Karriere als Opernsänger, wenn es mit dem Film mal nicht mehr so gut läuft (lacht).

teleschau: Hand aufs Herz: Sie sehen so aus, als hätten Sie in Ihrer Jugend schon zu "Dancing Queen" geflirtet!

Brosnan: Falsch, ich hörte das rockige Kontrastprogramm. Bei uns an der Schauspielschule waren die Steve Miller Band, Spirit und vor allen Dingen Bruce Springsteen sehr angesagt. Dieses Popquartett in den merkwürdigen Anzügen beim Grand Prix 1974 fand ich eher uncool.

teleschau: Worin liegt Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis von Abba?

Brosnan: Man kann diesen Songs noch so zynisch oder ablehnend gegenüberstehen, aber, ob auf einer Hochzeit, einem Geburtstag oder sonst einer Party: Kaum läuft "Dancing Queen" stürmen die Leute die Tanzfläche. Die Lieder sind einfach musikalisch ausgefeilt, voller Emotionen und damit zeitlos. Die Vier schrieben Musik mit Herz. Übrigens, die schicken Anzüge gibt's auch in unserem Film zu sehen.

teleschau: Gedreht wurde auf den griechischen Urlaubsinseln Skiathos und Skopelos. Hat Sie dort der Hauch der Antike umweht?

Brosnan: Der Hauch von Ferien! Beide Inseln sind unglaublich idyllisch und laden zum Verweilen ein, besonders Skopelos hat es mir angetan. Aber mein Lieblingsreiseland ist und bleibt Indien. Indien berührt mein Herz jedes Mal aufs Neue.

teleschau: Sie wohnen seit 25 Jahren in Kalifornien. Haben Sie als Europäer die oberflächlich schöne, heile Hollywoodwelt manchmal satt?

Brosnan: Ganz im Gegenteil: Ich liebe Kalifornien, obwohl ich auch London als ein Zuhause empfinde. Meine eigentliche Heimat Irland ist dagegen ein Ort, den ich besuche, an dem ich mich aber nicht zu Hause fühle, auch wenn ich die Menschen dort mag

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