Der öffentlich-rechtliche Spagat: Wie die ZDFmediathek Talente sucht und User findet

(tsch) Es gibt im ZDF eine Abteilung, die nennt sich Zentralredaktion Neue Medien, in der sich Mitarbeiter Gedanken über die digitale Zukunft des Senders machen. Und es gibt die Redaktion Das kleine Fernsehspiel: junge Regisseure, junge Themen, neue Ansätze. Redakteur Frank Seyberth ersinnt für beide Abteilungen neue Formate, mögliche Verknüpfungen und übt hier wie dort den Spagat zwischen innovativ und öffentlich-rechtlich. "Das geht." Ein Beispiel für die neuen Wege, die auf diese Weise beschritten werden, ist die online-Ausschreibung Talentprobe@DaskleineFernsehspiel. - Interessant ist auch die Antwort auf die allgemeine Frage, welches Angebot der ZDFmediathek am häufigsten genutzt wird.

Neue Regie-Talente zu entdecken und zu fördern ist die Berufung der Nachwuchs-Redaktion Das kleine Fernsehspiel seit Sendestart des ZDF 1963. "Über klassische Ausschreibungen haben wir schon viele Talente gefunden", sagt Seyberth. In der Reihe "Agenda 2020" beispielsweise zeigte das ZDF im vergangenen Sommer auf dem Sendeplatz montags um Mitternacht filmische Zukunftsvisionen. Die Resonanz auf diese Ausschreibung sei damals enorm gewesen. Darüber hinaus begeben sich die Scouts an den einschlägigen Talent-Brutstätten auf die Suche: Filmfestivals, Produktionsfirmen. Auch auf der Webseite des kleinen Fernsehspiels (www.daskleinefernsehspiel.zdf.de) können sich die Filmemacher von morgen informieren, wohin sie ihre Vorschläge schicken sollen.

Mit der Online-Ausschreibung Talentprobe@DaskleineFernsehspiel soll nun aber nicht nur der professionelle Regie-Nachwuchs darauf aufmerksam gemacht werden, dass es diese Redaktion gibt, die zwar mit geringen Budgets auskommen muss, dafür jedoch professionelle Beratung und die Option einer TV-Ausstrahlung bereithält. Sie richtet sich auch an den Amateur in Buxtehude, dem es das digitale Zeitalter ermöglicht, seine Festplatte mit möglicherweise genialen Kurzfilmen zu füllen ... Dahinter stand aber auch die Frage: Wie kann die Mediathek mit einbezogen werden?

Noch bis zum 15. August können Nachwuchs-Spielbergs und Nachwuchs-Wenders ihre Werke von maximal 15 Minuten Länge einreichen. "Die Redaktion ist offen für Filme jeder Machart und jeder Thematik, von dokumentarisch bis fiktional, animiert und experimentell." Nur beim Alter setzt das ZDF in diesem Fall Grenzen nach oben: Angesprochen sollen sich explizit junge Regisseure fühlen, die nicht älter als 25 Jahre sind. Die Filme sollten zwischen 2006 und 2008 entstanden sein. Ab 1. Oktober zeigt das kleine Fernsehspiel die 30 besten Einreichungen online in der ZDF-Mediathek.

Denn neben einer Fachjury - unter anderem werden Kamerafrau Sonja Rom ("KDD - Kriminaldauerdienst"), Regisseurin Katinka Feistl ("Bin ich sexy?") und Schauspieler Andreas Schmidt ("Sommer vorm Balkon") drei weitere Werke prämieren - sollen die User ihren Publikumsfavoriten wählen. Die vier Gewinner sollen Anfang 2009 im ZDF auf dem Sendeplatz des Kleinen Fernsehspiels ausgestrahlt werden. Die Ausschreibung fiel Ende Juni auf kreativen Boden - seitdem trudeln in der Redaktion täglich mehrere Vorschläge ein.

Erfolgreichstes Beispiel für die Kooperation zwischen Mediathek und Redaktion Das kleine Fernsehspiel: die schräge Sci-Fi-Serie "Ijon Tichy: Raumpilot" mit Nora Tschirner, von und mit Oliver Jahn

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