New Kids On The Block: Back For Good?
(tsch) Kinder, wie die Zeit vergeht. Gerade hat man noch Sturzbäche geweint, weil Madonnas Bravo-Starschnitt durch den jährlichen Familienurlaub mit nur einem Bein an der Wand rumhängen musste, und schon streicht man fluchend die Wände des Eigenheims, um die Nikotinablagerungen der letzten Jahre aus dem Blickfeld zu entfernen. Man wird nicht jünger. Aber auch nicht vernünftiger. Eine Binsenweisheit, die auf den Ottonormal-Lebemenschen ebenso zutrifft wie auf Ich-war-mal-wer-Berühmtheiten.
Ganz oben auf der Liste der letztgenannten Kategorie steht derzeit ein Männer-Quintett, das sich aus folgenden Personen zusammensetzt: Donnie Wahlberg, Joey McIntyre, Danny Wood sowie Jordan und Jonat

han Knight. Kurz: die New Kids On The Block. Noch kürzer: NKOTB. So nannten sich die fünf ehemaligen Teenieschwärme, kurz bevor sie sich auflösten. Das war 1994. Jetzt sind sie wieder da. Wie manch andere 90er-Jahre-Boygroup.
Warum sie den gleichen Weg beschreiten, den vor ihnen schon Take That und die Backstreet Boys eingeschlagen haben, kann bei der ersten Pressekonferenz auf europäischem Boden keiner der Fünf so genau sagen. Alles habe gepasst, es sei einfach die richtige Zeit gewesen, man hatte so viele Ideen, und die mussten jetzt umgesetzt werden. Am ehrlichsten erscheint bei all den ins informative Nichts führenden Antworten noch jene von Leitwolf Donnie Wahlberg: "Es gibt immer eine zweite Chance, und die ergreifen wir jetzt."
"Magisch" sei die Sache gewesen, die man damal

s am Laufen hatte. Und ganz Unrecht hat der heute 38-Jährige damit nicht. Als die von US-Produzent Maurice Starr zusammengecastete Blaupause aller weißen Boybands 1990 ihren Zenith erreicht hatte, führte sie die Forbes-Liste der bestverdienenden Entertainer an. Permanentes Touren, enorme Plattenabsätze und ausgeklügeltes Merchandising hatten ihnen ein Plus von damals aberwitzigen 155 Millionen Dollar auf dem Bandkonto eingebracht. Ein Einkommen, das zu der Zeit nicht einmal Madonna oder Michael Jackson vorweisen konnten. Aber die waren ja auch solo unterwegs.
Die zumeist weibliche Fanbasis liebte den Bubblegum-Pop der wild über die Bühne tanzenden Polyester-Trainingsanzugträger. Die Kritiker hingegen sahen das anders. Waren sie gnädig, beließen sie es bei einem Lächeln. Dieses angespann

te Verhältnis zwischen Journalisten und Band zog sich bis zur Auflösung der New Kids. Knapp 15 Jahre später scheint es umgehend wieder aufzuleben.
Auf der Pressekonferenz jedenfalls waren die Reaktionen auf das neue Material so eindeutig wie die Fragen. Ob man denn glaube, dass man mit dieser Art von Musik, diesem stark R'n'B-beeinflussten Mainstream-Pop, noch auf der Höhe der Zeit sei? Kommentare, für die Donnie Wahlberg und seine Mitstreiter wenig Verständnis aufbringen können: "Wir haben ja zuerst die Fans angesprochen, sie eingeladen zur nächsten Party", pampt er ins Mikrofon. "Und sie sind es auch, die wir vorrangig ansprechen. Für sie ist es eine große Sache. Wir machen unsere Musik aber nicht ausschließlich für unsere Fans
1
·
2
·
3