Juliana Götze: Ginger Rogers und Fred Astaire
(tsch) "Na, sauber - ein Mongo", spricht der Kommissar im Film, als er Rosi, die Hauptfigur des "Polizeiruf 110: Rosis Baby" (Mi,. 03.08., ARD, 20.15 Uhr), zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Da ahnt der Herr Tauber alias Edgar Selge noch nicht, welches Psychodrama er in den folgenden 90 Minuten mit dieser Rosi durchleben wird. Durch alle Höhen und Tiefen wird er mit der jungen Frau mit dem Down-Syndrom gehen. Wird Liebeserklärungen erhalten und sich mit dem Wunsch konfrontiert sehen, der Vater ihres im Entstehen begriffenen Kindes zu werden, wird tanzen und weinen müssen. Auf jeden Fall wird Tauber dazulernen und am Ende ein anderer sein.
An Juliana Götze, die im Fim die Rosi spielt, die ein Kind bekommt, das sie nach dem Wunsch des biologischen Vaters nicht haben soll, schrieb Edgar Selge nach den Dreharbeiten: "Liebe Juliana, es hat

richtig Spaß gemacht, mit Dir zu tanzen und zu kochen. Die Kamera haben wir dabei oft vergessen. Oder nicht? Ich bilde es mir ein. Daran erinnere ich mich gern, Du wunderbarer geheimnisvoller Mensch! Danke."
Mag der Zuschauer des "Polizeirufs" vielleicht Juliana Götze nicht ganz so nahe wie der Schauspieler Edgar Selge kommen - die große Sympathie und das Gespür für die vielen leisen, inneren Momente vermittelt sich auch ihm. Wenn die beiden in Rosis Tanzschule tanzen, entsteht ein großer Gefühlsmoment - etwa wie bei Ginger Rogers und Fred Astaire. Und wenn sie ihm ihre Liebe erklärt und er ihr fast gegen seinen Willen eine Absage erteilen muss, ist das wie bei einem Fassbinder-Melodram: "Angst essen Seele auf". Dass sich aus Taubers Arm-Geschichte, diesem eigentlich so banalen Ver

sehrtsein, immer wieder wunderbare Filmmomente herausschlagen lassen, ist schon erstaunlich - aber das nur nebenbei. Zwei Behinderte begegnen und finden sich - irgendwie triumphal. Und dann auch noch mit Happy End.
Man muss das gar nicht wissen, dass die 22-jährige Juliana Götze bei ihrem "Kameradebüt" der Liebling im Team und besonders der Liebling der "Kommissare" Michaela May und Edgar Selge gewesen sei, um anzuerkennen, dass die junge Schauspielerin die Rolle der Rosi äußerst präzise und - ganz besonders in ihren stummen Reaktionen - mit großer Herzlichkeit spielt.
Ganz ohne professionelle Erfahrung ging das natürlich nicht: Juliana Götze, die, 1985 in Berlin geboren, bei ihren Eltern lebt, gehört seit 1996 zum Ensemble des mehrfach preisgekürten Theaters RambaZamba, d

as sich das "total verrückte Theater" nennt. Die Regisseurin und Leiterin des Theaters, Gisela Höhne, betreute Juliana Götze auch in München, sie bereitete sie auch auf ihre Rolle und die Arbeit vor der Kamera vor. "Ein Glücksfall: Juliana hat alle unsere Erwartungen weit übertroffen", jubelt nun Produzent Jakob Claussen zu Recht, der ganz Europa abgeklappert hatte, bevor er schließlich Juliana beim Berliner Behindertentheater RambaZamba fand.
Und auch Michaela May, die im Vierteiler "Liebe und weitere Katastrophen" 1997 mit dem gehandicapten Bobby Brederlow zusammengearbeitet hatte, ist voll des Lobes: "Es war enorm, mit welcher Disziplin Juliana vor der Kamera arbeitete", so berichtet sie, "sie hat ohne Zweifel eine besondere schauspielerische Begabung
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