Jule Böwe: Komödien-Freizeit

(tsch) In so leichtem Ambiente hat man den Berliner Theaterstar Jule Böwe bisher selten erlebt. In der federleichten Komödie "Schokolade für den Chef" (Sa. 26.07., 20.15 Uhr, im Ersten) spielt die für ihre durchlässig komplexen Frauenrollen bekannte Mimin an der Seite von Götz George eine Schokoladen-Managerin. Im Gespräch zum Film, der zu Götz Georges 70. Geburtstag ausgestrahlt wird, äußert sich die Schauspielerin über das Geheimnis des berühmten Kollegen, aber auch über die Treue zu ihrer künstlerischen Heimat, der Berliner Schaubühne. Im unkonventionellen Lebensentwurf der ehemaligen Ergotherapeutin, die als spät Berufene zunächst von vielen Schauspielschulen abgelehnt wurde, spielt übrigens das Wort "Treue" eine gewichtige Rolle.

teleschau: Der Film "Schokolade für den Chef" erinnert an eine Zeit, als Deutschland noch über Heinz Erhardt lachte, Millionäre in die Rollen von Dienstboten schlüpften und am Ende eine Doppelhochzeit gefeiert wurde ...

Jule Böwe (lacht): Das mit Doppelhochzeit stand sogar mal im Script, wurde dann aber rausgestrichen. Klar, diese Verwechslungsnummer ist natürlich ganz alte Schule. Ein tausendmal erzähltes Märchen. Was mich aber überzeugte, waren Regisseur Manfred Stelzer, den ich sehr beeindruckend finde, und die tolle Besetzung: Götz George, Irm Hermann, Astrid Meyerfeldt, Karl Kranzkowski, Rudolf Wessely, Ludger Pistor, Pierre Besson - das sind alles total schräge Vögel. Ich war gespannt darauf, was mit diesem Ensemble aus so einem Stoff herauszuholen ist.

teleschau: Kann man das Genre der seichten Komödie von innen sprengen - mit einem solchen Ensemble? Und wenn ja, wie macht man das?

Jule Böwe: Ich denke, die Komödie scheint immer dann am besten hervor, wenn man seinen Stoff ernst nimmt. Meine Rolle ist die der etwas leidenden, nicht ganz durchblickenden Frau. Insofern musste ich ohnehin nicht so auf den Putz hauen. Wir dachten aber nie, dass wir das Drehbuch in irgendeiner Form verändern müssten.

teleschau: War die Tatsache, mit Götz George zu arbeiten, auch ein Grund, in diesem Film mitzuspielen?

Jule Böwe: Ich habe nicht wegen Götz zugesagt, sondern wegen des Ensembles. Trotzdem habe ich mich gefreut, mal mit ihm zu spielen. Für mich war es das erste Mal.

teleschau: Wie war er als Kollege?

Jule Böwe: Super. Wie ein guter Schauspielkollege sein sollte.

teleschau: Götz Georges Schauspielkunst wird immer wieder über den grünen Klee gelobt. Was macht seine besondere Qualität aus?

Jule Böwe: Ich habe ihn beobachtet, wie er mit Text umgeht. Das Besondere an ihm ist: Egal, was er sagt, es klingt nie gestelzt, sondern immer wie aus dem Leben gegriffen. Einige sagen, er nuschelt sich da so rein. Götz George beherrscht eine ganz natürliche Sprachform, deshalb kommt er seinem Publikum auch so nah. Für mich ist das sein Geheimnis. Er erzeugt Direktheit - und das in jedem Satz. Jeder Schauspieler hat dies zum Ziel, aber es können nicht alle (lacht).

teleschau: Ist so eine Fähigkeit angeboren?

Jule Böwe: Weiß ich nicht, ob das bei ihm angeboren ist. Er steht, glaube ich, 60 Jahre vor der Kamera. In dieser Zeit kann man sich eine Menge Handwerk antrainieren ...

teleschau: Sie selbst haben lange vergeblich versucht, von einer Schauspielschule angenommen zu werden

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