"Jarhead - Willkommen im Dreck" - Warten auf den Krieg
(tsch) Ein junger Kerl geht zur Armee. Ihm fehlt das Geld für das College. Das Militär verspricht ihm die Finanzierung seiner Ausbildung und Altersvorsorge. Also verpflichtet er sich. Seine Freundin, ein echtes American Dreamgirl, bleibt zu Hause. Wer könnte schon vorhersehen, dass ein Krieg droht, zudem in weiter Ferne im Irak? Sam Mendes ("American Beauty") hat sich mit "Jarhead" (2005) an die Memoiren des Ex-Marines Anthony Swofford von 2003 gewagt und beleuchtet den Irakkrieg von 1990/91 aus der Sicht eines einzelnen Elitesoldaten. Trotz des brisanten Themas und der kritischen Aussage spielte der Film in den USA beachtliche 62 Millionen Dollar ein. In Deutschland wollten sich etwas mehr als 600.000 Zuschauer das Kriegsdrama im Kino ansehen, das RTL nun als Free-TV-Premiere zeigt.
Es ist ein schonungsloseser Antikriegsfilm geworden - allerdings ohne erschütternde Kampfspektakel, ohne Tod und Verderben. Einen moralischen Zeigefinger sucht man bei Mendes vergebens. Vielmehr finde

t man mit Jake Gyllenhaal, der aktuell für die Videospieleverfilmung "Prince of Persia" vor der Kamera steht (geplanter Kinostart: 30. Juli 2009), und Peter Sarsgaard zwei Protagonisten, die ihre Charaktere offenbar dermaßen verinnerlicht haben, dass der Eindruck erweckt wird, niemand anderes hätte den Scharfschützen Swofford (Gyllenhaal) und seinen Späher Troy (Sarsgaard) ähnlich authentisch verkörpern können.
Mendes, der zuletzt mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet die Romanverfilmung "Revolutionary Road" inszenierte (Start: Januar 2009), zeigt das ereignislose Leben der US-Marines beim Warten auf den Kampf, der nicht stattfindet: Sechs Monate Wüstenluft in den Lungen und die unbarmherzige Sonne auf der Haut und den kahl geschorenen Schädeln. Es geschieht nicht viel Sinnvolles in

den zwei Stunden, die der Film braucht, um seine Botschaft zu vermitteln: Krieg ist etwas, für das sich Soldaten aufputschen, in das sie sich hineinsteigern und das sie, wenn sie zu lange darauf warten müssen, innig herbeisehnen, nur um eine Beschäftigung zu haben.
Auf den ersten Blick fehlt "Jarhead" ein roter Faden, und das Ganze mutet eher wie ein minimalistisches Soldatenporträt an, das sich in simpler Dokumentation gefällt. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das spannungslose Treiben auf der Leinwand als scharfsinnige Analyse der Situation, in der die Fuß-Soldaten im Hightech-Krieg steckten. Vieles wird angerissen: Kritik am militärischen Drill, Stumpfsinn der Kriegstreiberei am Ende der Befehlskette, die Primitivität einer Gruppe von Männern, die monatelang unter sich sind und an nichts anderes mehr denken können als ans Kräftemessen und Frauen. Und wenn irgendwann der Staff Sergeant Sykes (Jamie Foxx) vor brennenden Ölquellen sitzt und von Schönheit spricht, wird dem Zuschauer der ganze Irrsinn vollends bewusst.
Ausstrahlung am 16.08.2008 um 20:15 Uhr auf RTL
Autor: Andreas Fischer/teleschau - der mediendienst
Bilder:
RTL
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