Kein Ende in Sicht: Wann ist Deutschland leer gecastet?
(tsch) Sein Exklusiv-Vertrag mit RTL läuft noch bis 2012, hat Dieter Bohlen in einem Interview gesagt. 2012! Das bedeutet: viele weitere Ausgaben von "Deutschland sucht den Superstar", "Das Supertalent" (die Castings für die zweite Staffel gingen vor Kurzem zu Ende) und womöglich von Bohlen selbst konzeptionierte und produzierte Shows. Der selbst ernannte Poptitan sei eigenen Angaben zufolge gerade dabei, ein Unternehmen zur Formatentwicklung zu gründen. Die "Major Companies" stünden Schlange, er brauche nur noch die fertigen Verträge unterschreiben, sagte er dem Branchenblatt "Horizont". Was könnte da den Zuschauer nicht alles erwarten? Eine Gesprächsrunde mit dem Titel "Modern Talking"? Oder "Dieter sucht ein neues Bobbelsche?"
Die Chancen, Bohlen im Fernsehen künftig irgendwie meiden zu können, werden also immer geringer - ebenso die Aussichten auf ein Ende des nach wie vor grassierenden Castingbooms, den er mitverschuldet

hat. Im Gegenteil: Die Platten von "DSDS"-Gewinner Thomas Godoj, dem Zweitplatzierten Fady Maalouf und dem Vorjahressieger Mark Medlock rangeln derzeit um die höhere Chartplatzierung. Und auch das Fernsehen sucht in den nächsten Wochen und Monaten wieder vermehrt nach neuen Talenten, als herrsche akuter B-Promi-Mangel im Land. Wobei das Ergebnis in aller Regel nur noch am Rande interessiert. Längst ist der Weg das Ziel.
So begannen begannen am 28. Juni unter dem Motto "Just 4 Girls" die Castings zur mittlerweile siebten "Popstars"-Staffel in Hamburg, Rust, Dortmund und Dresden. Immerhin: Aufgrund der enttäuschenden, dafür aber ellenlangen vergangenen Staffel und der Vergänglichkeit wild zusammengewürfelter Misch-Combos (Wer war noch mal Room 2012?) will ProSieben nun in nur noch

17 Folgen wieder nach einer reinen Mädchenband suchen. Jungs können also zuhause bleiben, dürfen ab August aber trotzdem einschalten, weil ProSieben jemanden in die Jury holen konnte, der einen noch schlechteren Ruf als Dieter Bohlen genießt: Sido.
Allein die Berufung des Aggro-Berlin-Rappers führte bereits vorab zu Protesten seitens des Deutschen Kinderschutzbundes: "Seine Songtexte beinhalten gewalt- und drogenverherrlichende Äußerungen, sind auch frauenfeindlich. Damit ist er kein positives Vorbild für Kinder und Jugendliche." Dabei will der Mann vom Label mit dem Sägeblatt, dessen neues Album "Ich und meine Maske" unlängst auf Platz eins der deutschen Charts einstieg, gar nicht die Rolle des Bösewichts übernehmen. Sondern? "Ich will einfach der Typ sein, der ehrlich ist, und

sicherstellen, dass da nicht wieder welche weiterkommen, die nicht mal singen können." Aber weil es eine Mädchenband wird, komme es nicht nur auf den "krassen Gesang" an. "Die müssen auch sexy und cool sein."
Neben Sido und der Sängerin Loona ("Bailando") wird auch dieses Mal wieder "Popstars"-Urgestein Detlef D! Soost in der Jury sitzen. Der dürfte allerdings mächtig ins Schwitzen geraten, muss er doch nicht nur um sein Image als knallharter Schleifer bangen, sondern auch erst einmal seine eigene Casting-Show "DanceStar 2008" bei VIVA über die Bühne bringen. Ab 30. Juli nimmt der Choreograf immer mittwochs, 21.00 Uhr, wieder eine Schar vielversprechender Tanztalente unter seine Fittiche. Eimerweise Schweiß und Tränen scheinen von Beginn an vorprogrammiert: Schon in der ersten von zehn Folgen trennt sich die Spreu vom Weizen, oder wie es bei VIVA heißt: "die Wannabes von den Gonnabes"
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