Eberhard Figgemeier: Ein chinesisches Abenteuer
(tsch) Wahrscheinlich ist er Rekordhalter, was das Schnuppern von Olympia-Luft betrifft. Eberhard Figgemeier, Programmchef des ZDF bei der Olympiade in Peking, bricht zum zehnten Mal zu Sommerspielen auf. Auch im Winter war der gebürtige Bochumer stets als Fernsehmann dabei. Warum Sydney und Lillehammer große Spiele waren, Atlanta dagegen abstank, erklärt Reporter-Legende Figgemeier im Interview. Außerdem äußert sich der 61-jährige Journalist über seinen absurden Kampf mit der chinesischen Bürokratie und die Pläne, wie das ZDF mit seinen Olympia-Sendungen Zuschauermassen locken will, obwohl die meisten Medaillen in der Nacht und am Morgen verteilt werden.
teleschau: Wieviel Angst haben Sie, dass die Olympischen Spiele 2008 vor allem zur politischen Veranstaltung werden und der Sport zur Nebensache verkommt?
Eberhard Figgemeier: Ich kann es nicht

sagen, da ich immer noch kein Gefühl für Peking 2008 habe. Bisher war das immer anders, ich bin immerhin schon seit München 1972 dabei. Die Menschen, die wir in China trafen, waren alle unglaublich nett und hilfsbereit. Trotzdem existieren dort politische, hierarchische Strukturen, die für uns nicht nachvollziehbar sind. Einfaches Beispiel: Wir möchten gerne in unserem Hotel ARD und ZDF über die Hausantenne empfangen, damit nicht sämtliche Kollegen die ganze Zeit im Sendezentrum verbringen müssen. Bis jetzt haben wir für diesen Antrag keine Genehmigung, aber auch keine Absage. Es weiß einfach niemand, wer das genehmigen darf. Probleme dieser Art gibt es viele. Wahrscheinlich steckt von chinesischer Seite nicht mal böser Wille dahinter oder die Sucht, uns kontrollieren zu wollen. Es gib

t einfach unglaublich viele Kompetenzschwierigkeiten, auch im Gesamtaufbau dieser Spiele. Oft denkt man als westlich sozialisierter Mensch: Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Aber es ist wahr.
teleschau: Bürokratie und Kompetenzgerangel scheinen in China allgegenwärtig. Wenn es keine offiziellen Antworten gibt, wie geht das ZDF damit um? Sind Sie so cool, die Lösung der Probleme einfach kurzfristig vor Ort zu suchen?
Figgemeier: Bei den Olympischen Spielen in Peking gibt es zwei Ansprechpartner: Zum einen das Organisationskomitee. Es ist für alles verantwortlich, was nicht die nackte Berichterstattung betrifft. Hier gibt es auch die meisten Probleme. Was viele nicht wissen: Die Bilder der sportlichen Wettkämpfe werden keineswegs von den Chinesen produziert. Dafür ist eine Firma namens BOB verantwortlich, die gehört zu 50 Prozent dem Internationalen Olympischen Komitee. Im Auftrag dieser Firma arbeiten Fernsehprofis aus aller Welt, die kennen wir seit 20, 25 Jahren. Teams aus den USA, Australien oder Finnland setzen die Wettkämpfe dann in spannende Fernsehbilder um, nicht etwa das chinesische Fernsehen. Haarig wird es immer dann, wenn man Probleme abseits der reinen Übertragung lösen will. Wir benötigen zum Beispiel eigene Frequenzen für Drahtlos-Techniken, ohne die weder Radio noch Fernsehen arbeiten können. Dennoch erhalten wir keine Antwort auf unsere Anträge. Peking ist das größte Abenteuer meiner dann insgesamt zehnten Sommer-Spiele.
teleschau: Wie haben Sie sich als Sendeverantwortlicher auf Peking vorbereitet?
Figgemeier: Man muss zwischen zwei Dingen unterscheiden
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