Charlize Theron: Tendenz zum Schmerz

(tsch) Seit Jahren erfindet sich Charlize Theron immer wieder neu, wechselt von der Rolle einer hässlichen, mörderischen Prostituierten ("Monster") zu einem in Latex gegossenen Sexsymbol ("Aeon Flux") zur wehrhaften Ehefrau und Mutter ("24 Stunden Angst") bis hin zur Frauenrechtlerin ("North Country"). Die Werbefachleute sprechen gern davon, dass sie die Leinwand "illuminiere". Doch die 32-Jährige vermag mehr als das: Theron, die in Interviews Jahr um Jahr kein Jahr zu altern scheint und in ihrem makellosen Auftreten nur mit wenig Make-up auskommt, hat sich ihre Natürlichkeit bewahrt, die möglicherweise eben jene hypnotische Kraft entfaltet, die in so vielseitigen Rollen spürbar ist. In ihrem neuesten Film "Hancock" (Start: 03.07.) spielt sie die unscheinbare Ehefrau eines PR-Beraters, die einiges zu verbergen hat: zum Beispiel Superkräfte und ihre jahrtausendalte Ehe mit einem anderen Superhelden (Will Smith), der zudem keinerlei Manieren hat.

teleschau: Zum zweiten Mal nach "Aeon Flux" spielen Sie in einem schnörkellosen Actionfilm. Was interessiert Sie an diesen doch recht klischeehaften Figuren?

Charlize Theron: Für mich ist das Geschichtenerzählen stark mit körperlicher Aktivität verbunden. Ich sehe mich aber nicht als großer Action-Star, sondern bin eben sehr aktiv. Ich treibe gerne Sport. Ich war zwölf Jahre lang eine Ballerina, das sagt ja wohl alles. Der physische Aspekt des Erzählens war schon immer ein Teil meines Lebens. In meinen Filmen bin ich aber nicht unbedingt auf Kampfszenen angewiesen. Man kann sehr viel mehr über Charaktere erfahren, indem man beispielsweise ihren Gang oder sich ihre Haltung beobachtet, als wenn man ihnen zuhört.

teleschau: Macht es für Sie einen großen Unterschied, eine Komödie, ein Drama oder einen Actionfilm zu spielen?

Charlize Theron: Ich halte vom Genredenken nichts und bin davon auch völlig unbeeinflusst, wenn ich meine Rollen auswähle. Deshalb scheinen meine Filme auch meistens zu ganz unterschiedlichen Genres zu gehören. Ich jedenfalls möchte immer überrascht werden.

teleschau: Komödien spielten bislang eher eine untergeordnete Rolle ...

Charlize Theron: Ja, leider habe ich da bisher noch nicht so viele Erfahrungen sammeln können. Ich wünschte, das könnte ich noch ausweiten. Ein Anfang ist aber zumindest gemacht: Ich spielte in einigen Folgen der Fernsehcomedy "Arrested Development" mit, nachdem sie den Emmy gewonnen hatte. Letztlich geht es doch immer um Authentizität. Es ist immer derselbe Arbeitsprozess. Es geht darum, echt zu wirken und nicht mechanisch irgendwas abzuspulen.

teleschau: Wie authentisch ist dann die Geschichte über zwei Superhelden, die zueinander gehören, aber nicht zusammenkommen können?

Charlize Theron: Wieso sterben Romeo und Julia, ohne dass wir sie bei ihren Flitterwochen sehen oder wie sie miteinander alt werden? Diese Frage verfolgt uns, seitdem es Geschichten gibt und es sich als sinnvoll herausgestellt hat, dem Publikum eben nicht alles zu geben, wonach es verlangt. So ist schließlich auch das Leben: Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Wenn Sie sich mit einer Frau zu einem Date verabreden und sie gibt ihnen sofort alles, was Sie sich wünschen, dann werden Sie schnell gelangweilt sein, oder nicht?

teleschau: Trotzdem stellt sich die Frage, wieso es zwischen Ihnen und Will Smith nur einen flüchtigen Kuss gibt.

Charlize Theron: Wir küssen uns durchaus, kurz bevor ich ihn mitsamt dem Kühlschrank durch die Hauswand werfe

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