Cédric Klapisch: "Paris ist cool geworden"

(tsch) Er war in "Barcelona für ein Jahr" und feierte "Wiedersehen in St. Petersburg", doch irgendwann packte den "L'auberge espagnole"-Regisseur das Heimweh. Mehr als zehn Jahre nach seinem sympathischen Langfilmdebüt "Jeder sucht sein Kätzchen" (1996), eine Liebeserklärung an das Pariser Bastille-Viertel, kehrt Cédric Klapisch (47) in seine Heimatstadt zurück, um sie neu zu entdecken. "So ist Paris" startet am 17. Juli in den Kinos und ist zwar durchaus eine erneute Liebeserklärung an die französische Metropole. Aber auch eine realistische Auseinandersetzung mit den ganz alltäglichen Problemen ihrer Bewohner. Mit einem sehr realistischen Blick stellte Klapisch fest, dass sich seine Stadt verändert hat. Zum Guten, wie der Regisseur findet.

teleschau: Monsieur Klapisch, warum gibt es eigentlich so viele Filme über Ihre Heimatstadt Paris?

Cédric Klapisch: Eigentlich ist es bizarr, das so zu sagen: Aber Paris ist eine ewige Stadt. Architektonisch und kinematografisch könnte man jedenfalls jeden Tag einen Film über Paris machen, ohne sich zu wiederholen. Paris hat ein spezielles Flair, das nicht viele Städte der Welt haben. New York vielleicht noch. Es sind fotogene Städte, aber das ist nicht der einzige Grund. Es passiert sehr viel im Inneren, Paris ist ständig in Bewegung und verändert sich.

teleschau: Sie waren mit Ihren Filmen zuletzt viel unterwegs: Barcelona, St. Petersburg, London - was genau hat Sie zurückgezogen nach Paris?

Klapisch: Das Unterwegssein war genau der Grund, warum ich unbedingt einen Film in Paris machen wollte. Es war eine Art Heimweh, wenn Sie so wollen. Außerdem war ich gespannt, wie ich Paris wahrnehmen würde. Wenn man im Ausland war, verändert sich die Wahrnehmung. Man sieht seine eigene Stadt mit anderen Augen, mit Augen, die in der Fremde waren.

teleschau: Und was ist Ihnen aufgefallen?

Klapisch: Ich finde, Paris hat sich toll entwickelt. Das will ich auch im Film zeigen. Die Stadt ist cooler, moderner als vor zehn Jahren. Die Art zu denken hat sich verändert, ist weniger streng und eingefahren. Es geht relaxter zu, das Klima ist weniger konservativ und reaktionär.

teleschau: Das hört sich sehr optimistisch an. Aber selbst in Ihrem Film zeigen Sie, dass es zum Beispiel noch immer Alltagsrassismus gibt ...

Klapisch: Das ist richtig, deswegen schrieb ich die Figur, die Bäckerin, die Karin Viard spielt, ins Drehbuch. Sie repräsentiert das alte Frankreich, das Gestrige. Anfangs ist sie voller Vorurteile und Ressentiments. Aber sie entwickelt sich im Laufe des Films, akzeptiert die Maghrebins (aus Nordafrika stammende Einwanderer, Anm. d. Red.) und ist damit Teil der gesellschaftlichen Entwicklung. Es gab dafür einige Ursachen und Ereignisse.

teleschau: Welche denn?

Klapisch: Auf jeden Fall gehören die 98-er Fußballweltmeister dazu. Die Mannschaft hat den Franzosen gezeigt, dass Frankreich ein gemischtes Land ist mit Wurzeln in Schwarzafrika, dem Maghreb, der Karibik. Sie haben diese Realität endlich akzeptiert. Es hat auch keinen Zweck mehr, sich davor zu verstecken. C'est ça la France! Ich bin der festen Überzeugung, dass die Franzosen heute weniger rassistisch sind als noch vor 20 Jahren. Wir sind immerhin das Land, das die Erklärung der Menschenrechte schrieb

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