Valerie Niehaus: Mein Leben im Sandkuchen
Früher war sie als Nachwuchs-Blondine Star der Soap "Verbotene Liebe", heute organisiert die alleinerziehende Mutter ihr Leben zwischen Grundschule im Berliner Bezirk Charlottenburg und den Dreharbeiten zu meist romantischen Filmen. Wer jedoch denkt, die gebürtige Westfälin sei willfähriges Opfer deutscher Primetime-Fernsehunterhaltung, sieht sich getäuscht. Die 35-jährige Mimin zeigt sich als überaus intelligente Frau, die ihre Arbeit immer wieder kritisch durchleuchtet. Valerie Niehaus über falsche und echte Vorwürfe gegen das viel gehasste Romantik-TV sowie die Kunst, das normale Leben auszuhalten.
teleschau: Frau Niehaus, Sie sind Hauptdarstellerin von gleich zwei romantischen Filmen, die binnen eines Monats zur Primetime im Ersten laufen. Fühlt sich das gut an?
Valerie Niehaus: Ich habe

dazu kein besonderes Gefühl. Das ist meine Arbeit. Dafür mache ich das ja, damit die Sachen auch laufen. Wobei die Filme einen unterschiedlichen Vorlauf hatten. "Tierisch verliebt" ist bereits vor zwei Jahren entstanden. "Eine Liebe in St. Petersburg" wurde vor einem Jahr gedreht. Dass die beiden mit der Ausstrahlung so dicht beieinanderliegen, ist ein ungewöhnlicher Zufall, der hat aber nichts zu bedeuten.
teleschau: Welche Rolle gefiel Ihnen besser?
Valerie Niehaus: Ich finde, dass beide Filme einen interessanten Blick auf Existenzen werfen. Die Pferdezüchterin in "Tierisch verliebt" erlebt eine Bedrohung ihrer Lebensgrundlage, während die Anästhesistin an einem ganz anderen Punkt in ihrem Leben ist - dort nämlich, wo sie zum ersten Mal ihre Existenz wahrnimmt und diese hint

erfragt.
teleschau: Pumpen Sie die Dimensionen der Rollen jetzt nicht ein wenig künstlich auf?
Valerie Niehaus: Ich spiele gerne normale Frauen - und das sind beides normale Frauen. Im Normalen liegt ganz viel Besonderes. Der Beruf der Schauspielerin sollte nicht nur meine Eitelkeit als Künstlerin befriedigen. Es geht nicht nur darum, in das eine oder andere Extrem zu verfallen und dem Zuschauer zu zeigen, wie wenig Angst ich davor habe, mich so oder so zu verhalten. Die Aufgabe - gerade im Fernsehen - besteht auch darin, das zu spiegeln, was jeden Tag in diesem Leben stattfindet. Ich habe etwa 30 Filme in den letzten 15 Jahren gemacht. Der Anspruch hat sich seit den Anfängen eigentlich kaum verändert - ich finde das normale Leben da draußen immer noch sehr interessant.

teleschau: Eine typische Klischee-Aussage von Schauspielern ist, dass sie in einer Rolle die Herausforderung suchten. Sind Sie also ein ganz anderer Typ?
Valerie Niehaus: Ich finde, das Normale zu spielen, schließt die Herausforderung nicht aus. Die wenigsten Menschen erleben jene Extreme, die ständig Thema von Drehbuch-Plots sind. Die wenigsten Leute stechen jemanden ab. Die meisten schaffen es auszuhalten, was unerträglich normal ist. Man kann natürlich ein philosophisches Streitgespräch darüber führen, ob das eine Herausforderung ist. Ich betrachte meine Figuren so, als würde ich ihnen im richtigen Leben begegnen. Ich beobachte normale Leute mit dem allergrößten Interesse. Natürlich habe ich auch schon andere Sachen gespielt - bis hin zum Horrorfilm
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