Sebastian Koch: Die Faszination der Freiheit

Immer wieder geht er an seine Grenzen. Er spielte Albert Speer, Andreas Baader. Er war Stauffenberg, war Klaus Mann. Nun also ist Sebastian Koch (47) Wolf Larsen, die berühmte Romanfigur aus "Der Seewolf" von Jack London. Jene Rolle, die Raimund Harmstorff einst so populär machte. Die Neuverfilmung (So., 01., und Mi., 04.11., ZDF, 20.15 Uhr) ist näher dran am Buch. Koch verleiht Larsen vielfältigere Charakterzüge. Im Duell mit dem schiffbrüchigen Dandy Humphrey van Weyden (Stephen Campbell Moore) an Bord der "Ghost" offenbart sich das Innenleben des eisernen Kapitäns, der jenseits aller gesellschaftlichen Zwänge sein eigenes Weltbild erschaffen hat.

teleschau: Ein kurzer philosophischer Diskurs zu Beginn - wie ist der Mensch? Von Grund auf gut? Doch böse?

Sebastian Koch: Er ist sicher beides, der Mensch. Der Eine sollte dem Anderen nicht zu sehr trauen. Ohne Böse existiert kein Gut. Und umgekehrt. Wir alle leben zwischen diesen Antipoden. Sie halten unser Leben zusammen. "Der Seewolf" ist sicher auch ein "faustischer" Stoff.

teleschau: Wolf Larsen lebt autark, fernab von anderen gesellschaftlichen Einflüssen, die ihn verändern könnten.

Koch: Da zeigt sich eben, wie der Mensch ohne Gesetze agieren könnte. Aber gleichzeitig ist Larsen ja auch ein sehr romantischer Mensch.

teleschau: Was Sie auch einmal über sich selbst gesagt haben.

Koch: Mag sein, vielleicht hat mich ja deswegen die Rolle so interessiert.

teleschau: Können Sie diese Form von Romantik näher beschreiben?

Koch: Jack London, der Autor, ist ja auch ein Sehnsuchtsmensch. Und Wolf Larsen hat Sehnsucht nach Liebe, die er nicht bekommen hat und die er übrigens auch verweigert. Aber die Sehnsucht nach der Himmelstafel ist in ihm. Sie treibt ihn, lässt ihn auch fast schon väterliche Gefühle entwickeln. Dieser Roman hat so viele Lesarten. Als ich ihn in jungen Jahren zum ersten Mal las, war mir das so noch nicht klar.

teleschau: Um was würden Sie einen Menschen wie Wolf Larsen beneiden?

Koch: Ach, eigentlich ist er eine arme Sau. Arg einsam ...

teleschau: Aber er fühlt sich frei.

Koch: Natürlich. Die Tatsache, dass er niemandem Rechenschaft schuldig ist, dass er sich von niemandem abhängig macht, niemandem in den Arsch kriecht - ich gebe zu: Das hat etwas Faszinierendes. Aber wenn Sie mich nach Neid fragen? Ich weiß nicht, wir leben eben in einer Gesellschaft mit Regeln. Wir haben überall Ampeln. Und jeder wünscht sich doch manchmal, diese Regeln zu durchbrechen.

teleschau: Auch bei den Dreharbeiten selbst mussten Grenzen überschritten werden. Sie fanden ja, anders als bei manch anderem vergleichbaren Film, tatsächlich auf dem offenen Meer statt und nicht in einer künstlichen Kulisse.

Koch: Der Dreh hat sicher eine Eigendynamik bekommen. Wenn es da nach Regeln gegangen wäre, hätten wir gar nicht gedreht.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Koch: Ich erinnere mich an eine Situation zu Beginn unserer Arbeit. Es war strahlender Himmel, aber - gewerkschaftlich gesehen - waren eben anderthalb Knoten Wind zu viel. Und dann geschah eben erst einmal nichts. Es stand alles vorm Abbruch

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