Kritische Zitherklänge: Die BR-Reihe "Unter unserem Himmel" wird 40 (18.11.)

Wer mit dem Bayerischen Fernsehen groß geworden ist, kann die Melodie längst mitsummen. Und auch bei neuen Fans der Reihe "Unter unserem Himmel" lösen die traditionelle Zitherklänge, mit denen die beliebte Dokumentarfilmreihe seit 40 Jahren beginnt, schnell nicht mehr Befremden, sondern ein Wiedererkennungs-, ja sogar ein klein wenig Heimatgefühl aus.

Das kurze Stück stammt von Kiem Pauli und findet sich längst auf einer CD mit dem Titel "Echte Volksmusik", die der BR vertreibt. Das Authentische ist auch der Reihe besonders wichtig. Neben Berichten zur heimatlichen Brauchtumspflege, wo Musik, Tanz und Feste nicht fehlen dürfen, mischt der BR seit jeher auch recht kritische Beiträge in die Reihe. Schon früh wehte hier im lange sehr staatstragenden Rundfunk ein wenig "grüner Geist".

Nachhaltigkeit, Nachdenklichkeit, Nachfragen und genau Hinhören bei den Sorgen der Menschen draußen auf dem Land: Allein aktuelle Sendungstitel wie "Das Eigene bewahren" oder "Ob man hier auch leben kann?" aus der "Unter unserem Himmel"-Reihe sprechen eine deutliche Sprache. Die Autoren der mehrfach preisgekrönten Vorzeigeredaktion halten sich bewusst fern von krachledernen Schunkelveranstaltungen, die im Fernsehen gerne als "volkstümlich" missverstanden werden, und verstehen sich auch nicht als Unterstützungskolonne der weißblauen Tourismuswerbung.

Am 18. November 1969, mitten in den bewegten Zeiten der Studentenrevolution, erklang zum ersten Mal das Zithermotiv, um auf einen der ersten eigenproduzierten Beiträge, die Dokumentation "Besuch in Volkach", eine Volksmusiksendung von Gerhard Ledebur und Sepp Eibl hinzuweisen - ein Auftakt für eine Tradition, auf die man heute noch recht stolz ist beim Sender. "'Unter unserem Himmel' ist heute wie damals eine singuläre Sendereihe", sagt der zuständige Redakteur Johannes Pechtold. "Kein anderer Sender beschäftigt sich so kontinuierlich in Dokumentationen mit der Lebenswelt 'seiner' Zuschauer wie dieses Eigengewächs, das auch heute noch wesentlich zum Erscheinungsbild und zum Profil des BR beiträgt."

Um das Jubiläum würdig zu feiern, wiederholt der Sender ab Montag, 23. November, um 14.15 Uhr, vier Wochen lang, jeweils von Montag bis Freitag, ausgewählte "Unter unserem Himmel"-Dokumentationen aus früheren Jahren. Den Auftakt macht Dieter Wielands Film "Topographie: Bauen und Bewahren" (1983), die den sehr eindeutigen Untertitel "Grün kaputt" trägt. Darin beschrieb der Filmemacher, dessen "Topographien"-Reihe eindringlich vor allzu unbelegten Eingriffen ins Stadt- und Landschaftsbild warnen wollte, zerstörerische Veränderungen. Seine Filme wurden mehrfach preisgekrönt.

Ein kritischer Ansatz, der für die "Unter unserem Himmel"-Redaktion von heute natürlich wichtiger denn je ist. "Einen Schwerpunkt bildete in der letzten Zeit die Entwicklung im städtischen und ländlichen Raum, also Fragen wie: Warum sind Neubausiedlungen in aller Regel so trostlos? Wem gehört der öffentliche Raum? Was bedeutet der ländliche Strukturwandel für das Ortsbild und die Bewohner?", umreißt Redakteur Pechtold das Spektrum

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