Viele Krimis, kaum die Probleme der Zeit: Zum Fernsehfilmfestival Baden-Baden wird der 3sat-Zuschauerpreis vergeben (15. bis 20.11.)

Man muss schon in die frühen Zeiten des Baden-Badener Festivals des Fernsehfilms zurückschauen, um den hohen Wert dieser Veranstaltung zu würdigen. Namen wie Peter Lilienthal, Egon Monk, Rolf Hädrich, Rainer Werner Fassbinder oder Wolfgang Menge stehen auf der Ahnentafel. Damals hatte das Fernsehfestival noch keinen festen Ort, erst 1989 ging es dauerhaft - und mit Erfolg - nach Baden-Baden. Alljährlich im November stellen sich nun dort die Regisseure der besten deutschsprachigen Fernsehfilme des Jahres dem Lob und Tadel kritischer Juroren.

Alle deutschsprachigen Sender können ihre besten Fernsehfilme (keine Mehrteiler!) einreichen, Regisseure oder Produzenten sind allerdings auf das Wohlwollen der veranstaltenden Deutschen Akademie der Darstellenden Künste angewiesen. Zunehmende Bedeutung bekam in den letzten Jahren der 3sat-Zuschauerpreis, bei dem parallel zum Festival die Zuschauer per TED über den besten Fernsehfilm abstimmen können.

Die Qual der Wahl haben Zuschauer und Jury diesmal zwischen durchaus Hochkarätigem. So gibt es mit dem Film "Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben" gleich am Sonntag, 15.11., um 22.25 Uhr, einen Knüller. Das sensible Biopic um Ranickis frühe Jahre in Warschau hat sicher Chancen auf einen Preis. Vor allem Matthias Schweighöfer in der Titelrolle überzeugte bei der Erstsendung im Ersten und bei ARTE.

Allerdings macht ein anderes, erst jüngst (am 11.11.) ausgestrahltes ARD-Biopic dem Film starke Konkurrenz: "Romy", die lange mit Spannung erwartete Verfilmung des Lebens der Romy Schneider, läuft bei 3sat als letzter Film am Freitag, 20.11.. Vor allem der Hauptdarstellerin Jessica Schwarz, aber auch dem Regisseur Torsten C. Fischer gelang mit diesem 5,8 Millionen-Euro-Projekt offensichtlich ein erstaunlicher Wurf.

Wie in den Jahren zuvor, ist auch der Krimi (oder Thriller), der Deutschen liebstes Kind, in der Baden-Badener Auswahl mehrfach vertreten. Die Privatsender ProSieben und SAT.1 steuern Gutes aus diesem Genre bei: In "Schatten der Gerechtigkeit" (SAT.1, Sendung am 15.11.) überzeugt Yvonne Catterfeld bei der Suche nach einem Kinderschänder, in "Gonger - das Böse vergisst nie" (ProSieben, Mittwoch, 18.11.) werden auf raffinierte Weise die Untoten geweckt. Auch die Friedrich-Ani-Verfilmung "Todsünde" mit Hanns Zischler (ZDF, 18.11.) fällt in diese Kategorie. Alles in allem schon ein bisschen viel.

Wie immer findet sich auch bereits Preisgekürtes im Programm: So bekam "Mogadischu" (ARD, Dienstag, 17.11.), der Film um die "Landshut"-Entführung von 1977, bereits den Deutschen Fernsehpreis, Josef Hader wurde dort als Bester Hauptdarsteller für "Ein halbes Leben" (ORF / ZDF, 19.11.) prämiert. Psychodramen wie "Haus und Kind" (ARD / BR, 17.11.) und "Die Drachen besiegen" (ARD / BR, 16.11.) ergänzen das Feld. Auffällig, dass die große Thematik der Zeit - Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Investmentbetrug - kaum Eingang fand ins Programm. Offensichtlich ein wahrer Spiegel der Senderdramaturgie. Nicht zuletzt darüber dürfte in Baden-Baden zu reden sein

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