Johanna Wokalek: Einen Moment lang berühren

Schwierige Rollen scheinen für Schauspielerin Johanna Wokalek (34) ein Genuss zu sein. Sie deckte im Drama "Hierankl" (2002) düstere Familiengeheimnisse auf und becircte Til Schweiger als Psychiatriepatientin in der Romanze "Barfuß" (2005). Zuletzt spielte die gebürtige Freiburgerin in "Der Baader Meinhof Komplex" RAF-Terroristin Gudrun Ensslin - bedrückend intensiv. Auch Johanna von Ingelheim, die Titelheldin von Sönke Wortmanns Historienepos "Die Päpstin" (Start: 22.10.), verkörpert Johanna Wokalek mit ungeheurer Wucht: Ihre Filmfigur absolviert als Mönch verkleidet eine mittelalterliche Kirchenkarriere, schafft es schließlich bis auf den Papstthron. Doch so beeindruckend sie auf der Leinwand in die Haut anderer Leute schlüpft, so wenig will Johanna Wokalek im Interview von sich selbst preisgeben. Ein Gespräch über Päpste, Frisuren und Pferde.

teleschau: Wie bereitet man sich als Frau vor, einen Mann im Mittelalter zu spielen?

Johanna Wokalek: Die Johanna ist ja nicht die typische Hosenrolle mit Anzug, Hut oder auch Zigarette als maskulinem Attribut. Wenn man aber eine Kutte trägt, die alles verhüllt, merkt man schnell, dass die Kutte letztlich die optimale Verkleidung für eine Frau als Mann ist. Außerdem habe ich versucht, Bilder aus dieser ganz frühen Zeit zu finden. Wenn man zum Beispiel sieht, wie Mönche damals gemalt wurden und mit welchem Gestus, dann taucht man schnell ein in die Welt des Frühmittelalters.

teleschau: War es schlimm, die Haare für die Rolle zu opfern?

Wokalek: Das war richtig hart. Fürs Spielen hingegen war es sehr hilfreich. Die Tonsur wurde jeden Morgen auf zwei Millimeter rasiert, und das half mir, täglich in die Rolle zu finden. Im Vorfeld habe ich natürlich gefragt, ob man das nicht anders lösen kann. Doch wir haben lange in Marokko gedreht, und da knallt ja die Sonne senkrecht runter. Da kann man es gar nicht bewerkstelligen, dass eine künstliche Tonsur unsichtbar bleibt. Nach dem Dreh hat mich die Rolle dann natürlich noch unfreiwillig eine ganze Zeit weiter begleitet. Während ich die Haare wieder wachsen ließ, hab ich eisern Mützen getragen. Auch wenn mir Freunde rieten, ich solle einfach dazu stehen, das würde der neue Trend.

teleschau: Im Film sind Sie nackt von hinten beim Baden zu sehen. Und wenn Regisseur Sönke Wortmann die Szene hätte von vorne drehen wollen?

Wokalek: Ich finde die Szene sehr schön so. Johanna entkleidet sich, man sieht den Rücken mit den Narben, und sie geht ins Wasser und schwimmt. Ich finde, das ist ein Bild, das viel erzählt.

teleschau: Anders gefragt: Würden Sie sich nackt zeigen, wenn es der Film verlangt?

Wokalek: Ich denke, das muss man von Fall zu Fall entscheiden.

teleschau: Wie ist Ihr eigenes Verhältnis zu Glaube und Kirche?

Wokalek: Ich bin getauft und konfirmiert. Die Glaubensfrage an sich ist aber meiner Meinung nach nicht so auf die Schnelle zu beantworten. Ich denke, es ist eine Frage, mit der sich selbst Päpste ein Leben lang befassen. Egal, ob als Glaubens- oder philosophische Frage, ist es in jedem von uns angelegt, das man sich fragt: Warum bin ich hier? Was ist der Sinn meines Daseins? Und die Antwort darauf ist in unserer so sehr beschleunigten Zeit nicht einfach zu finden.

teleschau: Macht Schauspielen glücklich?

Wokalek: Auf jeden Fall. Ich finde, es ist der schönste Moment, wenn es am Set nach langem Warten endlich heißt: "Und bitte"

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