Glückwunsch, Sandmann! Seit 50 Jahren bringt das Sandmännchen seine Zuschauer zu Bett
"Kindliches" sowie "das Merkmal der Weisheit und der Würde des Alters" - das wollte Gerhard Behrendt in der Figur vereinen, mit der ihn 1959 der Deutsche Fernsehfunk (DFF) beauftragte: "Unser Sandmännchen". Der Regisseur, Autor, Puppen- und Szenenbildner hatte nicht einmal drei Wochen Zeit, um nach Märchenvorbild und mit aufwendiger Tricktechnik eine Puppe zum Leben zu erwecken, von der damals wohl niemand ahnte, dass sie noch ein halbes Jahrhundert später Kult sein würde. Nun feiern die Sender RBB, MDR und KI.KA den 50. Geburtstag des Sandmännchens und damit ein Stück gesamtdeutsche Fernsehgeschichte.
Ehe die behagliche Sendung erstmals laufen konnte, ging es zunächst ganz schön hektisch zu. Nachdem die Programmmacher des Deutschen Fernsehfunks, dem staatlichen Fernsehen der DDR, damals erfahren ha

tten, dass der Sender Freies Berlin im Westen ab Dezember 1959 einen Sandmann mit Gutenachtgeschichten auf Sendung schicken wollte (parallel zu den eigenen "Abendgrüßen"), musste es in Ostberlin noch schneller gehen. Bekanntlich gelang das: Am 22. November 1959 brachte "Unser Sandmännchen" erstmals kleine Zuschauer mit einer Gutenachtgeschichte zu Bett, eben jenen Abendgrüßen, die ohne Sandmännchen bereits seit 1958 auf Sendung waren.
Wolfgang Richter soll an nur einem Abend das berühmte Sandmännchen-Lied komponiert haben. Als dritter "Vater" des Sandmännchens gilt Harald Serowski, der noch über 1.000 Szenenbilder und 200 der legendären Fortbewegungsmittel kreieren sollte. Mit Traktor, Taucherglocke oder Trabbi bewegte sich der kleine Traumsandbringer Abend

für Abend ins Bild, um dem Publikum einen kurzen Film zu zeigen und es anschließend schlafen zu schicken (Nur die Episode mit dem Heißluftballon stieß auf Missfallen. Das Verkehrsmittel war nach einem geglückten Fluchtversuch aus der DDR tabu). Nicht nur in der DDR wurde das Sandmännchen zum Superstar, es wurde auch mehrfach ins Ausland verkauft. Als Nationalsymbol durfte es 1978 sogar ins All: Der erste deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn nahm eine Sandmann-Puppe mit.
Im Westen legte man sich nicht so schnell auf einen Typ fest. In Regionalfenstern der ARD-Kanäle brachten in den Folgejahren verschiedene Sandmännchen "Gutenacht-Geschichten". Ein Herr mit Backenbart (NDR) setzte sich schließlich durch. Zum Zeitpunkt der Wende war jedoch auch er nur noch verstec

kt in einem Dritten unterwegs. Die Kinder des Ostens protestierten erfolgreich gegen die Abschaffung ihres Sandmännchens. So ist dieses seit 1992 das einzige im gesamtdeutschen Fernsehen (Es sei denn, RBB oder auch ARD veranstalten mal wieder eine nostalgische "Sandmann nach Mitternacht"-Reihe mit abwechselnden Geschichten) - und das Fernsehgesicht der Wiedervereinigung.
Die RBB-Redakteurin Anne Knabe mag die Begriffe "West-Sandmann" und "Ost-Sandmann" nicht so gerne. Seit 1992 betreut sie die Koproduktion von RBB, MDR und NDR. Man versuche, so betont sie, auch den Sandmann des Westens immer einzubinden, zum Beispiel bei Buchveröffentlichungen oder Ausstellungen. "In den Köpfen und in den Herzen derer, die ihn als Kinder sahen, hat er ja einen großen Platz
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