Christian Redl: Ein Mann, dunkel wie das Moor
Wo sein Typ auftaucht, entsteht eine gewisse Schwere. Christian Redl ist der Mann für Traurigkeit, die in die Tiefe weist. Weil der 61-jährige Schauspieler diese subtile Qualität in jeder Faser seines wuchtigen Körpers transportiert, darf man ihn als Idealbesetzung des schweigsam alternden Kommissars in der Tradition der Maigrets und Wallanders bezeichnen. Redls ZDF-Film "Der Tote im Spreewald" (Mo. 26.10., 20.15 Uhr) dürfte die Goldmedaille im inoffiziellen Rennen um den schwermütigsten Krimi des Jahres sicher haben. In der losen Fortsetzung des Ausnahmekrimis "Das Geheimnis im Moor" liefert sich der Hamburger Edelmime ein tieftrauriges Duell mit dem anderen Hauptdarsteller des Films - den nasskalt morastigen Kanälen des Spreewaldes. Gibt es einen besseren Anlass, um über Tod und Vergänglichkeit zu sprechen?
Christian Redl geht es nicht gut. Eine Entzündung am Auge hat sein Gesicht unter der Baseballkappe anschwellen lassen. Nun sieht der massige Schauspieler dem Prototyp des alternden Boxers noch ähnlich

er. Doch an traurig-düstere Prototypen hat sich Redl ohnehin längst gewöhnt. Seit er 1990 den Grimme-Preis für den Film "Der Hammermörder" erhielt, steht die Karriere des 1948 in Schleswig-Holstein geborenen und in Kassel aufgewachsenen Lehrersohns unter schwerem Schubladenverdacht. Redl spielte so viele schwermütige Gewalttäter und abseitige Kriminelle, wie kaum ein anderer in der Riege der Hochveranlagten.
"Sicherlich umweht mich ein Hauch von Melancholie oder Traurigkeit, aber dafür kann ich nichts. Das ist genetisch bedingt. Außerdem traut man mir zu, dass ich kriminelle Energie habe. Als Privatperson bin ich seltsamerweise das genaue Gegenteil." Christian Redls Vorteil - auch wenn man ihn "typgerecht" besetzt, seine Rollen sucht er sich dennoch streng nach Qualität aus. "Grob gestrickt

e Bösewichte lehne ich ab. Einen wirklich raffinierten, dunklen Charakter würde ich dagegen jederzeit spielen." Redls aktuelle TV-Hauptrolle ist so düster, dass man sich später selbst daran erinnern muss, dass er gar keinen Bösewicht verkörpert.
Im Gegenteil - "Der Tote im Spreewald" zeigt Redl sogar als Gesetzeshüter. Einer, der wegen der Liebe vom Westen an den finsteren Rand Deutschlands in den Spreewald umsiedelte, bevor ihn die Liebe verließ. Der traumgleiche mystische Kriminalfilm ist die lose Fortsetzung eines überraschenden Quotenerfolgs. 2006 etablierte "Das Geheimnis im Moor" mit Sebastian Blomberg das Setting der ostdeutschen Moorlandschaft im Kopf des Primetime-Publikums. Im ersten Teil spielte Redl noch eine Nebenrolle. Nun wird seine Figur zum Hauptdarsteller befördert.

>"Der Spreewald ist ein hinreißendes, unverbrauchtes Motiv", zeigt sich auch der überzeugte Bewohner des Hamburger Innenstadt-Kiezes St. Georg als Fan einer düster romantischen Naturlandschaft. "In dieser Region spielte bislang noch keine Krimi-Reihe. Es ist eine geheimnisvolle, unheimliche Landschaft. Vor allem im Winter kann man sich dort sehr seltsame Geschichten vorstellen." Christian Redl verrät, dass ein Erfolg des zweiten Spreewaldfalles tatsächlich eine neue Krimi-Reihe entstehen lassen könnte. Im Spin-Off des Erstlings spielt er einen alternden, einsamen Kommissar, welcher sich in die von Nadja Uhl dargestellte schwangere Witwe des Mordopfers verliebt - eine Liebe ohne Zukunft freilich
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