Retro für die Zukunft: Die Psychedelic-Popper MGMT sind Stars von Morgen

(tsch) Ein neues Album, das in sich geschlossen und unverwechselbar ist, das man bereits nach dem ersten Hören wiedererkennt, das passiert nicht oft. So konzeptionell trauen sich die Wenigsten zu arbeiten. Korn waren eine dieser Bands. Lange her. MGMT heißt The Management, dahinter verbergen sich Ben Goldwasser und Andrew VanWyngarden, die auf ihrem psychedelischen Debüt "Oracular Spectacular" eine Menge zur Apokalypse spekulieren und über das, was uns in Zukunft erwartet. Aber zu bunten Thesen lässt sich Ben nicht verführen. Und von wegen provokante Auftritte. Der Ruf, der dem glamourösen Elektro-Space-Rock-Duo vorauseilt, bewahrheitet sich nicht. Stattdessen gibt ein freundlicher, ernsthafter Musiker Einblick in die kleine MGMT-Welt, die da draußen einiges verändern könnte.

Er war schon einmal in Berlin vor sechs Jahren, erzählt er. Gut benommen hätten sie sich nicht, damals. "Für Museumsbesuche kamen wir eher schwer aus den Betten." Diesmal ist der Twen mit den dunklen Locken und den deutschen Wurzeln zum Arbeiten da. Denn ihre Single "Time To Pretend" wurde im Januar mit 250.000 Downloads zu iTunes Single der Woche gekürt.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich ihr Abgesang auf das Rockstarleben schon vor der Veröffentlichung des Albums, eröffnete unter anderem den Casinofilm "21". Zu bunt, hässlich und gleichzeitig faszinierend allein schon das Video, als das man es gleich wieder vergessen könnte.

Wirft man Ben ein Worst Case Scenario entgegen und fragt, ob er eher daran glaubt oder doch Hoffnung hat, dass Hillary Clinton wie in "Future Reflections" angedeutet, bald Hippieburgen am Strand bauen lässt, die jungen Menschen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, lacht er zwar, aber man bekommt gleich die erste Kostprobe, dass er der Strukturiertere, der Ernsthaftere des Duos ist.

"Wobei das relativ ist", sagt er mit einem entschuldigenden Grinsen. "Im Grunde sind wir beide chaotisch." Dennoch scheinen sie einigermaßen ernsthaft an die Musik ranzugehen, schließlich haben sie das studiert. "Naja, das war eine liberale Kunstakademie in Connecticut. Du kannst da alles machen, musst dich nicht wirklich entscheiden. Bei uns hat sich dann die Musik herauskristallisiert. Aber Band und Uni waren immer zwei völlig voneinander getrennte Dinge."

Zumindest bot ihnen das Unigelände eine erste Plattform für ihre ungestümen Performances, ein lautes Sammelsurium aus Technoloops und Gitarreneffekten, elektronische Popsongs ohne Text, die keiner mögen sollte. Das klappte nicht. Schließlich veröffentlichten sie eine EP auf dem Indie-Label einiger Kommilitonen. Alles deutete darauf hin, dass das Unterfangen im Sand verlaufen würde denn Andrew zog nach dem College nach Brooklyn, Ben lebte außerhalb von New York.

"In den sechs Monaten, die dann verstrichen, redeten wir auch nicht viel miteinander. Als wir wieder zusammenkamen, hielt man uns schon einen Plattenvertrag unter die Nase. Das bedeutete, wir hatten plötzlich eine Deadline, mussten uns mal Gedanken machen, was wir schreiben würden. Es war eine ganze Weile her, dass wir zusammengearbeitet hatten."

Ein paar Monate vor den Aufnahmen zog er nach Brooklyn. "Die neue Umgebung hat schon gewirkt, ich habe noch nie in einer großen Stadt gewohnt, diese durchgeknallte dreckige Gegend hat ein Stück weit Beklemmung aufs Album gebracht

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