Stipe: Es gibt da dieses magische Ding namens Internet! (lacht) Ich bin jetzt schon wieder fünf Tage nur in Hotels unterwegs. Ich habe nicht einmal die Glotze angeschaltet. Ich surfe lieber im Netz. Oder lese Zeitung.

teleschau: Es heißt, Sie hätten einen guten Humor. Warum zeigen Sie den nie?

Stipe: Das ist eines der großen Missverständnisse um R.E.M. Ich habe einen sehr trockenen Humor. Den verstehen nur wenige. Aber ich will ja keinen Comedy-Rock machen.

teleschau: Sind sie manchmal genervt vom Ruf des Gutmenschen? Wollen Sie manchmal nicht einfach nur ein Popstar sein?

Stipe: Bin ich das nicht? Ich habe einfach nur gemacht, was ich für richtig halte. Ich will nicht irgendwelchen Vorstellungen entsprechen, sondern nur so sein, wie ich bin.

teleschau: Wie brav. Juckt es Sie nicht manchmal, einen Fernseher aus dem Hotelfenster zu werfen?

Stipe: Ganz ehrlich: Es macht nicht so viel Spaß, wie sich das viele vorstellen. Okay, für einen kurzen Moment, vielleicht. Es ist viel besser, konstruktiv zu sein, als destruktiv.

teleschau: Sie gelten aber auch als Diva, als dickköpfig, zickig und schwierig. Das wissen Sie?

Stipe: (lacht) Ich glaube nicht, dass ich schwierig bin. Aber ich treffe nun mal häufig Leute, die haarsträubend albernes Zeug wissen wollen und mir eine Menge dummer Fragen stellen: "Wo glauben sie, werden sie in zehn Jahren stehen?" Was zum Teufel soll ich auf so einen Unsinn antworten? Wenn diese Leute nichts wirklich Wichtiges von mir wissen wollen, warum stehlen sie dann meine Zeit mit so einem Unsinn? Da steckt überhaupt kein Interesse, keine Neugier, kein Respekt dahinter. Gleichzeitig gibt es eine vermehrte Sensationslust der Medien. Und Exklusivitätswahn! So etwas macht mich traurig. Dann kriegen die eben, was sie verdienen. Und dafür gelte ich als zickig? Super.

teleschau: Auf der anderen Seite spielen Sie mit den Medien. Sie haben gerade in einem Interview gesagt, wie viel Spaß es Ihnen mache, die Medien zu belügen. Und die würden sich auch noch höflich dafür bedanken.

Stipe: Woher haben Sie das? Aus einer Zeitung? Da, sehen Sie! Ich bin sicherlich kein gemeiner Mensch, aber ich habe nun mal keinen Respekt vor einem Menschen, der mich zehn Minuten trifft und nur oberflächlichen Unsinn von mir wissen will. Ich muss mich vor niemandem mehr beweisen. Aber das ist auch kein Spiel für mich. Ich bin jedenfalls kein schwieriger Mensch. Auch wenn ich vielleicht nicht einfach zu verstehen bin

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