Musikgeschichte in Blue(s): SPV hat sich in den Randgebieten von Blues, Doo Wop und Boogie Woogie umgetan
(tsch) Es ist ein langer Weg, ein sehr langer Weg, wenn man sich der Geschichte von Blues, Doo Wop, Rhythm'n'Blues und Soul richtig annähern will. Das liegt nicht etwa an fehlenden Möglichkeiten, sondern - ganz in Gegenteil - an der Vielzahl von Veröffentlichungen, die allein das Blue Label in den letzten Monaten auf den Markt gebracht hat. Im Frühjahr 2007 von SPV Records reinitialisiert hat es der Katalog mittlerweile auf einige Dutzend Titel gebracht. Darunter sind bekannte Namen wie die Blueslegenden John Lee Hooker, natürlich, oder Lightning Slim und Champion Jack Dupree. Aber der größte Teil der umfangreichen und liebevoll kompilierten Exkursionen wird von zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlern bestritten.
Der Blues, jeder kennt ihn, jeder hatte ihn. Blues, das ist mehr als nur Musik. Der Blues erzählt Geschichten, der Blues ist wie das Leben: manchmal voller Energie, manchmal unerhört melancholisch, im

mer aber, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, kraftvoll. Der Blues ist eine universelle Stimmung, die man immer wieder erleben kann. Der Blues ist die Wurzel und wer das noch nicht begriffen hat, der kann mit der Blue-Label-Reihe ein paar höchst interessante Unterrichtsstunden nehmen.
Für die Blue Label-Reihe wurde tief in den Archiven gekramt und einige seltene Aufnahmen zutage gefördert. Zielsicher spannt die "Roots'N'Blues"-Reihe, eine Wiederveröffentlichung der legendären Serie Columbia Records, den Bogen von den 30er-Jahren bis zum Ende der großen Blues-Zeit Ende der 60-er. Da gibt es zum Beispiel Josh White wiederzuentdecken, der mit kritischen Texten ab 1932 ein soziales Sprachrohr der schwarzen Landbevölkerung war. Er hat sich aus der Ar

mut in South Carolina befreit, sang sowohl sehr spirituelle Songs (als The Singing Christian) als auch wütenden weltlichen Protest (als Pinewood Tom) und konnte am Ende seiner Karriere stolz berichten, vor zwei US-Präsidenten gespielt zu haben. Die Musik, zumindest in den auf der Zusammenstellung berücksichtigten Jahren 1932 - 1936 ist der Ursprung, der pure Blues - roh, ungebügelt, simpel und ehrlich.
Wohin der Blues sich entwickelte, das zeigt "Don't Say That I Ain't Your Man", eine Doppel-CD mit Songs von Michael Bloomfield. Aufgenommen in den Jahren 1964 - 1969 zeigen sie eine erstaunliche stilistische Vielfalt des weißen Gitarristen aus Chicago. Der hatte an der Seite von Bob Dylan in Newport (sowie auf dessen Album "Highway 61 Revisited") gespielt, u

nd zelebrierte einen direkten, fast schon fordernden Blues, der sich tief in die Haut bohrte und dort stecken blieb. Er zeigte dabei, warum man mit dem Blues, des Teufels Feuer, so vortrefflich warm werden kann.
Mit "Bottles, Knives & Steel" wurde eine ganze CD den Blues-Gitarristen gewidmet, die gerne mal zur Flasche griffen, oder auch zum Messer. Die 21 Songs auf "Bottles, Knives & Steel" haben alle eins gemeinsam: die hohe Kunst des Slidens. Blind Willie Johnson ("Dark Was The Night, Cold Was The Ground") oder Bukka White ("Special Stream Line") brachten ihre Gitarren zum Weinen und erweichten damit selbst die härtesten Steine.
Der Unterricht in Sachen Blues wird mit komplexen und sinnlichen CDs fortgesetzt. "Raunchy Business - Hot Nuts & Lolliypos" zum Beispiel enthält eine Sammlung der anzüglichsten Songs der 20-er- und 30-er-Jahre
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