Max Riemelt: Im Rausch der Rolle

(tsch) Wenn Max Riemelt einen Junkie spielt, dann richtig: "Ich hab mir die Nadel selber gesetzt - mit Kochsalzlösung - und auch original aus der Pfütze gesoffen", verkündet der Berliner nicht ohne Stolz und wirft noch ein: "Det kann man ruhig so schreiben!" hinterher. Dieser Enthusiasmus mag auf den ersten Blick etwas befremdlich scheinen, doch die Spielfreude des 24-Jährigen wirkt im Gespräch ansteckend. Ein "Herzensding" sei die Rolle des Andreas Niedrig für ihn gewesen, der durch den Sport seine schwere Drogensucht besiegte. Ein Highlight für jeden Schauspieler. Das Engagement bei der Arbeit hat sich für Max Riemelt gelohnt. Der "Shootingstar 2005" und Träger des Bayerischen Filmpreises (2006) ist über den Status des Newcomers längst hinaus und derzeit in drei Kinofilmen zu sehen. Denn zu "Die Welle" und "Up! Up! To the Sky" gesellt sich nun auch eben jene besondere Lebensgeschichte: "Lauf um Dein Leben - Vom Junkie zum Ironman" (Start: 24.04.).

Andreas Niedrig sorgte für Aufsehen, als er 1997 als Neuling beim "Ironman" auf Hawaii den 17. Platz belegte. Noch bemerkenswerter ist dieser Erfolg in Anbetracht der Tatsache, dass er jahrelang heroinsüchtig war. Viel hat Max Riemelt diese Rolle abverlangt, schon vor den Dreharbeiten. "Gefühlte zehn Kilo", in Wahrheit "nur" fünf, hungerte sich der ohnehin schon schlanke Schauspieler runter. "Mehr ging nicht, sonst hätte ich gar nicht mehr arbeiten dürfen", erklärt er. Wenig später musste er für die Aufnahmen als Triathlet bereits wieder sportlich austrainiert aussehen. Ein taffes Programm. Dazu kamen noch Gespräche mit Heroinabhängigen und Besuche bei Selbsthilfegruppen.

Dass er, der in nahezu jeder Szene zu sehen ist - ob als Drogenwrack oder Hochleistungssportler -, diese "One-Man-Show" tragen muss, ist Max Riemelt durchaus bewusst. Doch Ängste lässt er nur vor und nach den Dreharbeiten an sich heran. "Wenn ich mitten im Arbeitsprozess stecke, dann komme ich gar nicht mehr auf solche Überlegungen. Ich bin froh über jede Sekunde, in der ich zum Luftholen komme." Diese Grübeleien seien aber sowieso weniger geworden, erklärt Riemelt, Star aus "Napola - Elite für den Führer" (2005) und "Der rote Kakadu" (2006). Denn durch das Vertrauen, das in der Vergangenheit immer wieder in ihn gesetzt wurde, habe er eine gewisse Selbstsicherheit bekommen. Und wenn doch der Selbstzweifel nagt, hat er ein ganz einfaches Rezept: Weiterarbeiten!

Klingt ein wenig nach Suchtgefahr. "Ja, man darf seine Arbeit nie als selbstverständlich ansehen und davon ausgehen, dass es für immer so weitergeht. Das wäre sehr gefährlich. Deshalb versuche ich auch, mir drum herum noch eine andere Realität aufzubauen und mich nicht nur über die Schauspielerei zu definieren", sagt er, denn trotz all des Enthusiasmus für seinen Beruf ist Max Riemelt eben auch ein vernünftiger Kerl. Keiner dieser jungen erfolgreichen Schauspieler, die regelmäßig durch irgendwelche Drogen-Exzesse in die Schlagzeilen geraten, "die vielleicht keine richtigen Bezugspunkte haben, niemanden, an den sie sich mal anlehnen können". "Highlife" ist nicht sein Ding. Riemelt, der bereits mit 13 Jahren vor der Kamera stand, sei vielmehr froh, einfach mal seine Ruhe zu haben. "Momentan führe ich ein wohl strukturiertes Leben", sagt er betont hochdeutsch und muss über sich selbst lachen.

Kein schlechtes Vorbild also für junge Leute, die manch einen seiner Filme - etwa "Napola - Elite für den Führer" oder "Die Welle" - sowieso im Rahmen des Schulunterrichts gesehen haben dürften

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