Ludwig Trepte: "Ich war schon immer ein Sturkopf"

(tsch) Der Pelle, den Ludwig Trepte in "1. Mai" spielt, ist fast der normalste Junge, den der 19-Jährige bisher in seinem Repertoire hat. Zuletzt sah man ihn als Fan von Heike Makatsch in "Schwesterherz" oder als Störenfried in Lars Kraumes großartigem Schülerfilm "Guten Morgen, Herr Grothe". Bekannt wurde Trepte durch zahlreiche TV-Produktionen und dann 2005 mit dem populär besetzten Jugenddrama "Kombat Sechzehn". Aufgewachsen im Prenzlauer Berg, hat er wenig Interesse, sich als Original-Berliner zu dekorieren. Er möchte mehr mit seiner Arbeit glänzen. Dafür braucht er Ludwig XIV., bestimmte Boxershorts und will bleiben wie Peter Pan. Während er davon spricht, wie es ist, einen Mörder zu spielen, wacht hinter ihm an der Wand überlebensgroß Anthony Hopkins mit einem Gesichtsausdruck, als würde er dem Lehrling interessiert zuhören. Ludwig Trepte dreht sich um und schaut das Bild lange an. Dann dreht er sich zurück und sagt: "Ein ganz Großer." Und so ganz will man es ihm nicht glauben, dass er da nicht auch hin will.

teleschau: Sie sind 1988 geboren, hat Sie der 1. Mai je interessiert?

Ludwig Trepte: Nicht wirklich.

teleschau: Der Pelle ist fast Ihre am wenigsten radikale Rolle bisher. Aber mit heftigen Momenten, die Sie gefordert haben müssen. Wie gehen Sie mit solchen Grenzerfahrungen um?

Trepte: Zunächst fühlt man die Situation, ich stelle mir die Frage, wie ich als Ludwig reagieren würde. Ich kenne zwar nicht das Gefühl, jemanden umzubringen oder davon zu erfahren. Aber ich weiß, wie es ist, erschrocken zu sein, Panik zu bekommen. Das holt man sich dann her.

teleschau: Sie arbeiten immer noch ohne Schauspielausbildung.

Trepte: Keine schulische, aber eine private. Ich lasse mich von einer Lehrerin coachen, die mit mir die Drehbücher durchgeht und die Szenen analysiert. Ich bin der Meinung, dass man ein gewisses Handwerk auch braucht, allein weil man an Figuren unterschiedlich herangeht. Für diesen Ansatz muss ich mitunter lange graben, manchmal reicht ein ungewohntes Kleidungsstück, eine Boxershort, die man normalerweise nie tragen würde und schon hat man's.

teleschau: Den Rest macht das Leben?

Trepte: Ganz genau, ich beobachte Menschen im Café, auf der Straße, im Flieger. Jede Stewardess bedankt sich anders, jeder Mensch trinkt seinen Kaffee auf seine Art, ich erforsche Launen, das ist sehr spannend. Ich glaube, es ist wichtig, dass man neugierig ist wie ein Kind und das Leben bewusst wahrnimmt.

teleschau: Sie dürften gut ausgelastet sein. Fühlen Sie sich gestresst?

Trepte: Natürlich ist dieser Beruf auch Stress, aber es ist vor allem Leidenschaft. Ich brenne für ihn. Er erfüllt mich. Ich bringe mich, wenn es nötig ist, gut selbst runter, manchmal tun das auch meine Freundin, Bekannte, die Familie. Im Moment zum Beispiel habe ich gar kein neues Projekt.

teleschau: Ist Ihre Präferenz Kino oder Fernsehen?

Trepte: Gute Drehbücher. Ich habe auch schon tolle TV-Produktionen gedreht.

teleschau: Zum Beispiel 2005 mit Ulrich Mühe "Sternengeheimnis".

Trepte: Ich war zutiefst erschüttert und traurig, dass ein so großer deutscher Schauspieler auf dem Höhepunkt seiner Karriere gehen musste. Jemand, zu dem ich als Neuling aufschaue, voller Bewunderung, dass er noch für seinen Beruf brennt, noch arbeitet.

teleschau: Sie haben mittlerweile den Grimme- und den Max-Ophüls-Preis sowie die Goldene Kamera. Wie viel bedeuten Ihnen Auszeichnungen?

Trepte: Es macht mich sehr stolz, wenn Leute würdigen, was ich tue

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