"So was wie Liebe" - Alle Macht dem Schicksal
(tsch) Ein junger Mann sitzt im Flugzeug. Gangplatz. Seine Normalität sticht förmlich ins Auge: Die Spiegelreflexkamera um den Hals, das T-Shirt zerknittert und einige Zentimeter zu weit nach vorn gezogen, die Hände im ewigen Kampf gegen die halblangen Haare, die andauernd ins Gesicht fallen. Da kommt sie, die Schöne, Unkonventionelle, die Frau, die macht, wonach ihr der Sinn steht. Sie folgt dem nichts als Unbedarftheit ausstrahlenden Studenten in die Flugzeugtoilette. Der lässt sich überrumpeln, gerne, und erlebt in der Ungezwungenheit des Augenblicks den Anfang eines großen, lebenslang andauernden Etwas. Was das ist? "So was wie Liebe", würde Regisseur Nigel Cole wohl antworten.
Doch sie trennen sich, gehen ihrer Wege und treffen sich wieder. Immer und immer wieder. MTV-Star Ashton Kutcher und Amanda Peet versuchen sich in dieser ProSieben-Free-TV-Premiere (2005) als füreinan

der bestimmtes Traumpaar, das Jahre braucht, um letztlich zueinander zu finden.
Doch wie ist ein Film zu kategorisieren, dessen Handlung daraus besteht, dass zu Beginn eigentlich schon alles erzählt ist? Die Geschichte tritt auf der Stelle. Allein die Hauptfiguren entwickeln sich zumindest rein optisch weiter: Der biedere Junge (Kutcher, aktueller Kinofilm: "Love Vegas") wird zum gestriegelten California-Beau. Die umtriebige Schönheit (Peet, ab 24. Juli im zweiten "Akte X"-Film "I Want to Believe" zu sehen) wird zur sesshaften Schönheit. Was sich ändert, sind Frisuren.
Unverständlich bleibt, wieso sich die beiden trennen, immer wieder, um sich am Ende doch tränenreich in die Arme zu fallen. Cole sieht darin sicherlich das wahre Leben: verpasste Chancen und ein Auseinanderleben, das so häufig die Rea

lität ganz im Sinne von Schwarzsehern zu dem macht, was sie ist: unausstehlich. Doch wird den beiden durchaus sympathischen und glaubhaften Charakteren nicht einmal die Chance gegeben, sich dahingehend zu entwickeln.
Beide schlittern also von einer Beziehung in die nächste, erleben beruflichen Erfolg, fallen aber auch tief. Das Netz, das sie immer wieder auffängt, ist jeweils der andere. Wenn's schlecht läuft, wird sich besucht. Meist macht Oliver den Schritt, erinnert sich irgendwann wieder, dass er sich eigentlich schon damals im Flugzeug in Emily verliebt hat. Aber sie will nicht, und so erträgt der Zuschauer, in froher Hoffnung auf ein Happy-End, mag es auch noch so kitschig sein, gezupfte Gitarrenakkorde eines am Boden liegenden Freiers. Die Gefreite kriegt schlussendlich noch die Kurve, wie immer in solch harmlosen, manchmal eben auch pseudo-ambitionierten Gesellschaftserklärversuchen, die allerdings beim Zuschauer nur wenige Gefühle wecken können.
Ausstrahlung am 08.06.2008 um 20:15 Uhr auf ProSieben
Autor: Bernd Fetsch/teleschau - der mediendienst
Bilder:
ProSieben / Touchstone Pictures / Ben Glass & Demmie Todd
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