Meine Mutter war äußerst verletzt, als sich unser Vater in den Westen abgesetzt hat. Der verlassene Elternteil nimmt sich vielleicht vor, vor den Kindern nicht schlecht über den anderen zu reden. Aber es ist sehr schwer, dies durchzuhalten. Immerhin waren wir Kinder zwar noch Jugendliche, aber eben auch fast schon erwachsen. Deshalb war es für uns etwas leichter.
teleschau: Haben Sie später neuen Kontakt zu Ihrem Vater aufgenommen?
Gabriela Maria Schmeide: Ja, alle vier Kinder haben heute wieder einen guten Kontakt zu unserem Vater. Die Familie fand nach der Wende allerdings nicht mehr zusammen. Die politische Situation hatte ja großen Einfluss auf diese Familientrennungen, wie wir sie erlebten. Einerseits wurde ich dafür bestraft, dass mein Vater weggegangen war. Trotz eines Abiturs mit der Note 1,0 durfte ich zum Beispiel nicht studieren. Auf der anderen Seite träumte mein Vater 20 Jahre lang davon wegzugehen. Er hat immer wieder versucht, unsere Mutter zum Mitgehen zu bewegen, aber sie konnte einfach nicht alles aufzugeben und ihre Heimat verlassen.
teleschau: Ihre Eltern sind Sorben, Sie sind zweisprachig aufgewachsen. Hat man da ein ganz besonderes Heimatgefühl, wenn man zu einer kleinen ethnischen Minderheit gehört?
Gabriela Maria Schmeide: Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich einem kleinen Volk angehöre, das auch immer kleiner wird. Ich bin sehr tief verwurzelt in dieser Heimat und glaube fest daran, dass ich irgendwann wieder dorthin ziehen möchte. Als ich jung war, fühlte sich diese kleine Welt vor allem eng und beklemmend an, deshalb wollte ich möglichst schnell raus. Nun werde ich älter und die Gefühle der Heimat gegenüber intensivieren sich. Neulich war ich als Firmpatin dort, freute mich und war richtig stolz, wieder einmal eine sorbische Tracht anzuziehen (lacht). Das hätte ich mir vor 20 Jahren wahrscheinlich nicht träumen lassen.
teleschau: In Filmen besetzt man Sie gern für einen gewissen Typus Frau: gutmütig, großherzig. Charaktere, die von der Härte des Lebens erdrückt zu werden drohen. Ist dies ein Zufall, oder sehen Sie einfach so aus wie jemand, auf den diese Attribute zutreffen könnten?
Gabriela Maria Schmeide: So etwas ist nie Zufall. Das Aussehen spielt immer eine große Rolle bei der Frage, für welche Rollen man in Frage kommt. Ich verstehe schon, dass man eher nicht auf die Idee kommt, mich als mondäne Baronin zu besetzen. Oder als Geliebte, die von zehn Männern umgarnt wird. Aber vielleicht wäre das auch mal gar nicht so schlecht
1
·
2
·
3
·
4