Frederick Lau: Der freundliche Psycho

(tsch) Just wurde Frederick Lau mit seinen gerade mal 18 Jahren beim Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Er war dieser Junge, dessen Begeisterung für "Die Welle" die Schülerbewegung im gleichnamigen Film eskalieren ließ. Auch in Andreas Kleinerts "Freischwimmer" (Start: 08.05.) zeigt Lau eine schräge Art. Dieser Außenseiter, der liegt ihm. Was sich kaum nachvollziehen lässt, wenn man mit dem durch und durch sympathischen Jungen im Café sitzt und über ihn plaudert. Angenehm, sehr angenehm, zu sehen, wie jemand mit sich und der Welt im Reinen ist, nicht abhebt und dabei ganz ohne Koketterie auskommt.

Michael Haneke hat seinen Horrorfilm "Funny Games", der das Grauen nicht zeigt, sondern spüren lässt, noch einmal für den amerikanischen Markt verfilmt, mit Naomi Watts und Tim Roth. Zwei harmlos aussehende, wohlerzogene Jungs tyrannisieren das Paar auf perfideste Weise, der eine wurde 1997 mit Frank Giering besetzt. Heute würde Frederick Lau perfekt in diese Rolle passen. "Genial!", ruft er, Haneke kennt er natürlich. "Den hätte ich gerne gespielt, das stimmt."

Aber wieso denken Regisseure bei ihm eigentlich immer sofort an Psychos? Der private Frederick hat ständig ein Grinsen im Gesicht, das öfter mal in ausgelassenes Lachen mündet. Er trägt coole Klamotten, hat die Haare hingeklatscht, darüber eine blaue Mütze. Kein verhuschter Introvertierter also, im Gegenteil. Er sieht ganz hübsch aus, warum wird er so linkisch besetzt?

"Ja, das ist mir auch schon aufgefallen", antwortet er. "Hm. Ich spiel das ja ganz gerne, diese außergewöhnlichen Charaktere - danach ist man glücklich. Kann mir keiner erzählen, dass man seine Erfüllung findet, wenn man den 'Sohn' spielt." Dann denkt er noch mal kurz nach: "Bald seh ich normal aus, in der ZDF-Produktion 'Die Kartoffelkäfer kommen' von Martin Enlen, der spielt 1946."

Eigentlich würde er gerne in Berlin drehen, aber "ich bin ständig woanders, in lauter Kleinstädten. Seitdem ich meine eigene Wohnung habe, kann ich nie zu Hause schlafen. Da merke ich dann, wie mir Berlin fehlt." Er ist in Steglitz aufgewachsen und seine eigene Bude ist auch dort ums Eck. Weit gekommen ist er noch nicht, das freut ihn eher als es stört: "Ich will hier nicht weg. Hier hast du die Möglichkeit, ruhig zu wohnen, Möglichkeiten, wegzugehen. Viele interessante Leute, ganz viele gar nicht interessante Leute, hier haste alles." Eine klare Ansage. Kleinstadt kann er sich nicht vorstellen.

"Kleinstadt" ist das Thema von Andreas Kleinerts tragikomischer Farce "Freischwimmer". Kleinert besetzte Frederick Lau als den 15-jährigen Einzelgänger mit Hörgerät, der in das schönste Mädchen der Schule verliebt ist, der den Tod seiner Mitmenschen mit wahrhaftiger Gelassenheit hinnimmt. Ein seltsamer Kauz in einem tollen Ensemble, angefangen bei Dagmar Manzel über August Diehl in der zweiten Hauptrolle bis zu Devid Striesow. Für den 18-Jährigen zwei Lehrerfilme in Folge, wenn auch sehr verschiedene. Während "Die Welle" einen hohen Bekanntheitsgrad bei Schülern hat, oft Pflichtlektüre ist, ist es bei "Freischwimmer" fraglich, ob das auch ein Film für Schüler ist

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