Vielleicht hätte ich in den 80er-Jahren erfolgreicher sein können. Damals ging es den Leuten noch um Melodien."

In die Gehörwindungen chartabhängiger Kids wird er auch so gelangen, denn er hat das Starlet Ashlee Simpson bei ihrem neuen Album unterstützt: "Sie kam auf mich zu, weil sie musikalisch befreit werden wollte, und das gab mir die Möglichkeit, sie dazu zu bringen, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und endlich ihre eigene Karriere in die Hände zu nehmen. Im Endeffekt hatte ich mehr davon als ich am Anfang gedacht hätte, denn es tat gut, mal nicht an denen eigenen Projekten zu arbeiten. Wahrscheinlich hat es uns im Endeffekt beide befreit."

Aber auch für sein eigenes Album hat Kenna die Charts und die Künstler, die diese mit Qualität bestücken, fest im Blick: Nicht nur seiner absoluten Lieblingsband U2, sondern auch so massentauglichen und unterschiedlichen Musikern wie John Lennon, Ol' Dirty Bastard, Peter Gabriel und Jimi Hendrix bezeugt er immer wieder Respekt und Bewunderung. Es verwundert also nicht, dass er für viele seiner Lieder in der Tradition des klassischen Radiopops Black Musik mit Rockelementen verknüpft. "Ich wollte das Maximum an Eklektizismus erreichen. Viele Dinge sollten so vertraut wie möglich klingen, aber trotzdem, als ob es der Sound der Zukunft ist." Seine Musik soll überall funktionieren; im Radio, auf der Tanzfläche und in den heimischen Boxen- gleichzeitig wünscht er sich nichts so sehr wie Qualität: "Ich möchte universelle, klassische Pomusik machen, die Substanz und Glaubwürdigkeit vereinbart, dafür schreibe ich alle meine Songs mit einem Instrument und entscheide erst später in welche Richtung der Sound gehen soll."

Kennas Professionalität zeigt sich nicht nur beim Schreiben und Produzieren seiner Stücke, sondern auch beim Umgang mit der Presse. Die Antworten sind höflich, bemessen und kalkulieren Risiken mit ein. Was im Gespräch angenehm ist, wird seinen Liedern zum Problem. Kennas Musik ist zwar durchdacht, aber auch keimfrei. Sein Plan, sich an so vielen liebsten Künstlern zu orientieren und insgesamt so wenig Fehler wie möglich zu machen, geht nicht wirklich auf. Außer den beiden Songs "Out Of Control" und "Say Goodbye To Love" wird wenig in Erinnerung bleiben. Das ist etwas traurig, denn selbst den Liedern, die in der völligen Bedeutungslosigkeit des Radiopops verschwinden, hört man ihr Potenzial an. Das zweite Album ist aber bekanntlich das schwerste, und so kann man sich dann schon mal auf Kennas drittes freuen

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