Bocken bringt's? Der "Eurovision Song Contest 2008" (Halbfinalrunden: Di., 20.05., 21.00 Uhr, Do., 22.05., 00.45 Uhr, NDR; Finale: Sa., 24.05., 21.00
(tsch) Es ist kein großes Geheimnis, dass die Deutschen neben Dichten und Denken noch etwas anderes sehr gut können: Meckern. Eben diese Qualität scheint sich endlich einmal ausgezahlt zu haben. Nach der unglaublich peinlichen Debatte über die unglaublich unfairen osteuropäischen Länder folgte prompt eine unglaublich verdächtige Regeländerung beim "Eurovision Song Contest". Könnte das damit zusammenhängen, dass das trotzende Deutschland einer der vier Hauptgeldgeber ist und mal kräftig auf den Tisch gehauen hat? Jedenfalls soll nun mit zwei Halbfinalrunden (Di., 20.05., 21.00 Uhr, und Do., 22.05., 00.45 Uhr, NDR) statt einer das Zuschieben von Sympathiepunkten unterbunden werden. Jetzt haben wir's denen aber gezeigt!
Was vor 52 Jahren als Musikwettbewerb zwischen sieben Ländern anfing, artet nun langsam aber sicher zu einem immer komplizierteren Prozedere aus: 43 Nationen nehmen am diesjährigen "Eurovision Song Co

ntest" in Belgrad teil, doch nur 25 davon bestreiten das große Finale am 24. Mai (ARD, 21.00 Uhr). Fünf Finalisten stehen wie gewohnt fest: Gastgeber Serbien, dem Marija Serifovic letztes Jahr den Sieg ersang, und die Hauptsponsoren Großbritannien, Spanien, Frankreich und Deutschland, die sich zu ihrem Glück nicht qualifizieren müssen.
Für die anderen 38 Teilnehmer wird es spannender: Per Losverfahren ermittelten die Verantwortlichen des Wettbewerbs, welcher Beitrag an welchem Halbfinale startet. Dabei wurde in Kategorien wie Balkanländer, Skandinavien oder ehemalige Ostblockstaaten eingeteilt, damit ja nicht zu viele Künsteler aus der gleichen Region am Wettbewerb teilnehmen. Die Einwohner eines Landes dürfen nur für den Vertreter einer anderen Nation anrufen

, der im gleichen Halbfinale antritt. Die Griechen können also nicht für Zypern stimmen, da Erstere sich am 20. Mai qualifizieren müssen, Letztere aber erst am 22. Mai. Die Deutschen dürfen ihren Favoriten nur im ersten Halbfinale wählen. Liebe Türken im zweiten Semifinale, ihr müsst es diesmal ohne uns schaffen.
Doch pro Sendung werden nur neun Kandidaten per Telefonvoting ermittelt, den jeweils zehnten wählt eine Back-up-Jury aus. Damit soll wahrscheinlich garantiert werden, das musikalisch wertvolle Beiträge nicht von den bösen Bruderschaften aus dem Rennen gekegelt werden - so wie der unantastbare Roger Cicero, dessen überragendes Talent letztes Jahr vom restlichen Europa verkannt wurde. Heinz-Rudolf Kunze und Georg Uecker, denen Ciceros schlechtes Abschn

eiden besonders nah ging, werden beruhigt sein. Doch bei der eigentlichen Show am 24. Mai liegt wieder alles in der Hand des Publikums: Jede Teilnehmernation darf mitvoten, egal, ob sich der eigene Landsmann durchsetzten konnte oder nicht.
An und für sich ein ziemlich umständliches Verfahren, das sich die Organisatoren da ausgedacht haben. Bleibt die Frage: War das wirklich nötig? Vielleicht gab sich Deutschland in den Boulevardblättern so beleidigt, weil keiner ihm Sympathiepunkte zuspielen wollte, dass die European Broadcasting Union Angst um ihre Finanzierung bekam und fix die Regeln änderte. Hand aufs Herz, wem wäre diese Version der Geschichte nicht peinlich? Schließlich sind die Deutschen immer Teil des Grand Prix, egal, ob der musikalische Beitrag es verdiente oder nicht
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