teleschau: Ist es nicht schwer, ein Gefühl in eine Reihe von Songs zu pressen?
Schiller: Ich bin ja kein Publikumsgeschmacksbediener, sondern mache die Musik, die ich gerne höre. Ich bin da auch etwas mutiger geworden in dem Sinne, dass ich einfach mehr auf mich höre als früher. Für mich ist es ein ganz persönlicher Soundtrack zum Gefühl der Sehnsucht, aber keine umfassende akustische Definition des emotionalen Sehnsuchtsspektrums.
teleschau: Ist das Ihr Geheimrezept, mit dem Sie zum Plattenmillionär wurden?
Schiller: Mittlerweile kann ich ganz frei mit der Musik umgehen. Bei der Produktion des neuen Albums habe ich in letzter Sekunde zu mitternächtlicher Stunde meine komplett fertigen Stücke einfach gelöscht, weil ich merkte, dass es formelhaft wurde, ein immer wieder gekochtes Lieblingsrezept. Das wurde fad und langweilig, und da interessierte mich auch gar nicht, ob die Leute draußen das gerne hören würden. Ich fing einfach von vorne an.
teleschau: Fiel es Ihnen nicht schwer, die getane Arbeit wegzuwerfen?
Schiller: Das war unheimlich befreiend. Um beim Bild des Malers zu bleiben: Ich mischte meine Farben neu, weil ich gar keine mehr hatte. Für mich war das ein probater Weg, mich frei zu machen von Erwartungen und Zwängen. Bei einigen Songs legte ich es beinahe darauf an, dass die Leute sagen: "Das mag ich ja überhaupt nicht." Es geht mir nicht um Provokation, doch ich möchte nicht in der Schiller-Spirale gefangen sein.
teleschau: Sie sind also der Gerhard Richter der Musik.
Schiller: Es ist erstaunlich, aber ich bin tatsächlich ein großer Gerhard-Richter-Fan. Seine künstlerische Vielseitigkeit ist wirklich erstrebenswert.
teleschau: Wieso wurden Sie mit Ihrer offensichtlich cineastischen Ader nicht im Filmmusik-Geschäft aktiv?
Schiller: Das habe ich schon ausprobiert, doch musste ich die böse Erfahrung machen, dass die Liebesszene, für die ich ein Stück beigesteuert habe, am Ende rausgeschnitten wurde, weil der Film dadurch zu lang wurde. Als Künstler sitzt man dann natürlich da und traut seinen Ohren nicht. Ich bin noch nicht Handwerker genug, um so etwas leidlos ertragen zu können.
teleschau: Zumindest mit Schauspielern arbeiten Sie weiterhin zusammen.
Schiller: Dabei kannte ich Anna Maria Mühe gar nicht, bevor ich bei einer Fernsehsendung auf sie aufmerksam wurde. Was mich sofort faszinierte, war ihre Präsenz. Ich kam zu dem Schluss, dass sie eine Art von Sehnsuchtsverkörperung ist
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