Dann greifen sie schnell zum Handy und schicken doch wieder eine SMS, um sich abzulenken. Oder sie schalten den Fernseher ein, um sich nicht selbst vor sich offenbaren zu müssen.
teleschau: Welche Rolle spielt die Virtualität der heutigen Gesellschaft?
Schiller: Ich liebe das Internet, ich liebe moderne Technik und benutze sie auch. Ich glaube aber, dass Emotionen, Gefühle und menschliche Kontakte nur in Häppchen nicht als einzige Kommunikationsform taugen. Man kann sich eben auf 160 Zeichen begrenzt wie in einer SMS nicht das sagen, was ein echtes Gespräch ermöglicht. Das Gleiche gilt für all die Social Networks im Internet. Wir müssen den Fokus wieder auf echte Kommunikation richten.
teleschau: Belügen wir uns selbst, wenn wir glauben, dass es uns in die weite Welt zieht?
Schiller: Man kann das Gefühl des erfüllten Fernwehs nicht mit nach Hause nehmen. Das ist ein häufiger Irrglaube. Das Gefühl bleibt in der Ferne. Wenn ich ein paar Tage wieder zu Hause bin, fühle ich mich so, als wäre ich nie weg gewesen. Es wird einfacher, wenn man sich von der Vorstellung verabschiedet, dass man sich das Gefühl mit ein bisschen Strandsand im Einweckglas oder mit hunderten von Fotos mit nach Hause nehmen kann.
teleschau: Sie hatten ein Mikrofon im Reisegepäck.
Schiller: Mir ging es nicht darum, wie ein Jäger und Sammler Klänge aus der Fremde mitzunehmen, sondern eine mit Absicht herbeigeführte Entfremdung meines eigenen Alltags in Berlin. Ich wollte das Gehör und das Gehirn, also das Blatt Papier weißen. Das war wichtig. Ansonsten hätte ich Angst haben müssen, zwei Wochen durch den Iran zu fahren. Doch das Land hat nichts mit dem Bild zu tun, das wir tagtäglich durch die Abendnachrichten vermittelt bekommen. Das sind keine fanatischen Westhasser. Die respektieren uns viel mehr als wir sie, was aber nicht heißt, dass sie mit uns tauschen wollen. Sie haben ihre eigene Identität, auf die sie stolz sind.
teleschau: Hatten Sie gar keine Vorurteile?
Schiller: Ich gebe zu, dass man natürlich trotzdem vorsichtig sein muss in der Region. Wir verbrachten deshalb auch eine Nacht im Gefängnis. Das war im Grenzgebiet zwischen dem Iran und Pakistan. Uns wurde geraten, nicht nachts zu fahren, weil dort viel geschmuggelt wird. Auf solchen Wellblechpisten fährt es sich nicht sehr komfortabel. Dummerweise gab es aber keinen Ort, wo wir nächtigen konnten, und Camping war wegen der Schmuggelei auch nicht angebracht. Also suchten wir uns in einem kleinen Ort eine Polizeiwache und baten dort um Asyl
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