Warme Brüder
Eine neue Studie beleuchtet die Ursachen der Homosexualität: Je mehr ältere Brüder man hat, desto eher ist man schwul
Ist Homosexualität angeboren oder wird sie durch die So

zialisation eines Menschen bestimmt? Sind sowohl biologische als auch soziale Faktoren entscheidend? Oder ist das "Schwulsein" gar das Ergebnis eines freien Willens? Über diese Fragen streitet die Wissenschaft seit vielen Jahren. In den 90ern machten amerikanische Forscher den bisher bedeutendsten Einfluss auf die sexuelle Orientierung eines Mannes aus: Die Zahl der älteren Brüder. Jeder ältere Bruder - so das Ergebnis der Untersuchungen - erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann schwul ist, um rund 33 Prozent.
Ruppiges Kinderspiel
Daraufhin bekam die Theorie, dass soziale Faktoren für die sexuelle Orientierung entscheidend sind, neuen Aufschwung: Einige Wissenschaftler machten die ruppig-körperlichen Umgangsformen zwischen Brüdern oder gar sexuellen Missbrauch für die Homosexualität des Nesthäkchens verantwortlich. Jetzt aber beweist eine neue Analyse das Gegenteil: Der kanadische Psychologe Anthony Bogaert von der Brock University in St. Catharines wies in einer Studie mit knapp tausend kanadischen Männern nach, dass die Ältere-Brüder-Regel nur bei blutsverwandten Brüdern gilt.
Kein Einfluss durch Stiefgeschwister
Bogaerts Überlegung: Wenn allein das Aufwachsen mit älteren Brüdern Homosexualität begünstigt, müsste es egal sein, ob alle Brüder die selbe biologische Mutter haben. Dies allerdings war in seiner Studie nicht der Fall. Nur anhand der Anzahl blutsverwandter älterer Brüder ließ sich die sexuelle Orientierung eines Mannes vorhersagen - und das sogar, wenn die Brüder getrennt voneinander aufwuchsen. Bei Stiefgeschwistern traf die Regel nicht zu. Laut Bogaert sind damit pränatale Faktoren, etwa eine hohe Stressbelastung oder das fortgeschrittene Alter der Mutter, äußerst wahrscheinlich. Die genaue Ursache müsse allerdings noch geklärt werden.
Autor: Krischan Lehmann
Quelle: www.GQ.com