"Der Untergang der Gustloff wurde totgeschwiegen": Regisseur Joseph Vilsmaier über die teuerste ZDF-Produktion des Jahres 2008

(tsch) Es ist schon merkwürdig - mehr als 9.000 Menschen kamen am 30. Januar 1945 beim Untergang des Nazi-Kreuzfahrtschiffes "Wilhelm Gustloff" ums Leben. Sechsmal mehr Menschen als auf der Titanic. Trotzdem ist die Geschichte der größten Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt weitgehend unbekannt. Filmisch wurde der Stoff bis auf ein vergessenes deutsches Drama aus dem Jahr 1959 links liegen gelassen. "Dafür gibt es Gründe", sagt Regisseur Joseph Vilsmaier ("Stalingrad", "Comedian Harmonists") - bajuwarischer Spezialist für opulente Epen im Spiegel der Nazizeit. Sein zehn Millionen Euro teurer Zweiteiler "Die Gustloff" mit Heiner Lauterbach und Kai Wiesinger (So. 02.03. und Mo. 03.03., 20.15 Uhr, im ZDF) erzählt nun die tragischste aller deutschen Fluchtgeschichten als Bilderbogen menschlicher Dramen - und als klassischen Katastrophenfilm.

Im Januar 1945 begann die Rote Armee ihre Winteroffensive gegen das Deutsche Reich. Binnen weniger Tage waren 2,5 Millionen Ostpreußen in einem riesigen Kessel eingeschlossen. Die Hoffnung vieler dieser Menschen hieß "Wilhelm Gustloff", ehemaliger Nazi-Vergnügungsdampfer und Prestigeobjekt der Partei, das einst 1.500 Passagiere im Mittelmeer "Kraft durch Freude" tanken ließ. Im bis zu minus 20 Grad kalten finalen Kriegswinter jedoch sollte das Schiff bis zu 10.000 Menschen pro Fahrt von Gotenhafen (heute: Gdynia) in der Danziger Bucht nach Kiel fahren.

Bereits die erste Passage endete jedoch für die meisten Passagiere tödlich. Ein russisches U-Boot feuerte drei Torpedos auf die "Gustloff", das gigantische Schiff sank binnen einer Stunde. Auf eine revanchistische Geschichte vom rachelüsternen Russen lässt sich die Tragödie allerdings nicht reduzieren. Der Tod von mehr als 9.000 Flüchtlingen - vorwiegend Frauen und Kinder - war ebenso kollateraler Risikofaktor deutscher Kriegstaktik.

"Das Schiff fuhr mit Tarnanstrich, Flakgeschützen, und es hatte 1.000 U-Boot-Kadetten an Bord. Die Gefährdung der 8.000 bis 9.000 Frauen und Kinder an Bord nahm man billigend in Kauf." Joseph Vilsmaier, der beim, laut Programmdirektor Thomas Bellut, teuersten ZDF-Filmprojekt des Jahres 2008 auf dem Regiestuhl saß, will vor allem ein exakter Chronist der letzten drei Tage bis zur Katastrophe sein: "Mein Anliegen war es zu überprüfen, wie wirklichkeitsgetreu das Drehbuch die Geschichte der Gustloff erzählt. Als ich das Buch zum ersten Mal las, hatte ich schon Zweifel, ob das alles so passiert sein konnte: Eine Hochschwangere, die ihr Kind im Rettungsboot zur Welt bringt, ein Nazi-Bonze, der seinen Hund mit an Bord brachte, und eine Mutter, die ihr Kind während des Untergangs festhalten will, aber nur noch einen Schuh von ihm zurückbehält. Doch es ist alles wahr und so passiert. Ich habe viele Quellen überprüft, weil ich mir auf keinen Fall vorwerfen lassen wollte, dass ich etwas erfunden hätte. Jeden Vorwurf dieser Art könnte ich widerlegen!"

Drei Monate hat Vilsmaier an sieben verschiedenen Schauplätzen gedreht. Unter anderem wurde die Hafenkulisse Stralsunds ins von Flüchtlingsmassen belagerte Gotenhafen von 1945 verwandelt - bis zu 500 Komparsen pro Szene und ein schwimmender, 60 mal zwölf Meter großer Nachbau der Schiffswand kamen dabei zum Einsatz. Das Untergangsszenario des spektakulären zweiten Teils entstand in einem mit Wellenmaschinen ausgestatteten Spezialstudio auf Malta

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