Nein danke, USA! Zascha Moktan kehrt Amerika den Rücken, um in Deutschland durchzustarten

(tsch) Ein knallroter Mund umrahmt die schneeweiß gebleachten Zähne. Die Wangenknochen stechen rot wie Äpfel hervor, und auf dem pechschwarzen Haar funkelt und glitzert es um den Titel "The Bottom Line" herum. Pop-Püppchen, Baukasten-Star, deutscher Leona-Lewis-Verschnitt - das sind die zugegeben nicht besonders schmeichelhaften Begriffe, die einem beim ersten Blick auf das Cover zu Zascha Moktans Debütalbum einfallen. Doch so kann man sich täuschen. Sicher: Zascha Moktan sieht gut aus auf diesem durch und durch künstlichen Bild, sie hat das gewisse exotische Etwas in den katzenhaften, ordentlich hergeschminkten Augen. Doch im Ernst: Wen interessiert das denn schon, wenn man erst die Stimme der 27-Jährigen gehört hat?

Darin liegt so viel Soul, wie man es höchstens von amerikanischen Gospelsängerinnen kennt. Darin liegt Reife, sodass man klanglich nie Zaschas wahres Alter schätzen könnte, und eine Vielfalt, die ihr Debütalbum zu einer Jukebox macht. Im Interview wirken sie so natürlich, dass man sie doch lieber im XXL-Schlabberpulli auf dem Cover sehen würde, den sie während ihrer Hausbesetzerzeit so gerne trug.

Moment mal: Hausbesetzer? Wie gesagt: Vom äußeren Schein sollte man sich nicht täuschen lassen. Dass Zascha Moktan alles andere als ein künstlich geschaffenes Pop-Produkt ist, zeigt allein ihre Biografie, die manch spannende Geschichte bereithält. "Als ich 15, 16 war, besetzte ich mit Freunden in Frankfurt zwei Häuser", erzählt sie ein wenig schüchtern, so als wüsste sie nicht so recht, ob das überhaupt jemand erfahren soll. "Unter der Woche kochten wir für Obdachlose. Am Wochenende gab's dort Party. Von den Eintrittsgeldern bezahlten wir Punkbands, mit denen wir Konzerte veranstalteten", schwärmt Zascha jetzt nicht ohne Stolz. Die Öko-Klamotten, die Chucks mit den aufgemalten Anarchiezeichen und die Pullis in XXL mussten irgendwann verschwinden. Geblieben ist die Leidenschaft für Nirvana.

Und jetzt plötzlich Pop? Der kam nicht plötzlich, verbessert Zascha sofort. "Da war ich ganz straight. Ich stand schon immer auf Country, Gospel und Blues. Auf dem Klavier spielte ich Klassik, und privat hörte ich eben gerne Punk. Ich sah auch nie extrem punkig aus, aber ich gehörte zu der Szene. Ich wurde von den anderen akzeptiert, obwohl ich mir die Haare nicht rot färbte. Ich fand die Einstellung super und die Sachen, die wir machten. Außerdem fand ich das spannender, als Backstreet-Boys-Fan zu sein."

Aus dem Punk von damals ist der Star von morgen geworden. Geschmacksunterschiede wie Green Day und Bonnie Raitt - "Ich bin von Kind an ein riesiger Fan. Ich wollte immer so klingen wie sie" - schließen sich bei Zascha nicht aus, sondern ergeben eine ambivalente, vermutlich gerade deswegen so reizvolle Mischung. Inzwischen hat die 27-Jährige ihr eigenes Heim. Sie wohnt in Hamburg. Aber auch London, wo sie ihr Album aufnahm, und Amsterdam würden sie reizen. "Ich liebe es, an verschiedenen Orten zu wohnen", sagt die Halb-Nepalesin, die mit sechs Jahren aus Nepal nach Deutschland kam.

Die Rastlosigkeit liegt in den Genen. Die Mutter lebt in Spanien, auf den Kanaren, wo sie kaum etwas vom Erfolg ihrer Tochter mitbekommt. Der Rest der Familie ist in alle Himmelsrichtungen verstreut

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