Schmetterlinge statt Vorurteile: Das ZDF verkuppelt unter dem Titel "Wo die Liebe hinfährt" West-Ladys mit Ost-Kerlen
Im Osten herrscht akuter Frauenmangel, so sagen's zumindest aktuelle Studien. Während es ungebrochen viele junge Frauen auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive in den Westen zieht, sind die Männer in den neuen Bundesländern deutlich sesshafter: In manchen ostdeutschen Regionen gibt es einen Männerüberschuss von bis zu 25 Prozent. Was man eher einem Privatsender zugetraut hätte, tut nun das ZDF: Die Mainzer animieren in einem unter dem Label "Dokuexperiment" laufenden Fernsehformat zum fröhlichen Wiedervereinigen. "Wo die Liebe hinfährt" (ab 12. Juli, sonntags, 18.15 Uhr) ist die Kuppeldoku zum Jubiläum 20 Jahre Mauerfall. Zehn abenteuerlustige Single-Frauen aus Köln und Umgebung reisen zu zehn Single-Männern nach Schwerin. Und dann mal gucken, was so geht.
Wäre man böswillig, man könnte zunächst schon mal die Frage stellen: Macht das Zweite, das bereits im Frühjahr unter dem Titel "Kleine Familie sucht große Liebe" zur Romantikoffensive blies, jetzt vol

lends auf "Bauer sucht Frau"? - Aber klar, einfach nur mit einer gecasteten Reality-Romanze die Lust am Voyeurismus bedienen, das ist für einen gebührenfinanzierten Sender zu wenig. Also bemüht man sich geradezu rührend, das Ganze im Vorfeld als zwar unterhaltsamen, aber durchaus seriösen soziologischen Feldversuch zu verkaufen. "Kann eine private Vereinigung, knapp 20 Jahre nach der politischen, mit Hilfe des Fernsehens gelingen?", fragt Martina Nothhorn, ZDF-Redaktion Geschichte und Gesellschaft. "Spielen Klischees und Vorurteile, sofern vorhanden, überhaupt eine Rolle, wenn es um Gefühle geht? Können in einer Woche Paare zueinander finden und sich sogar tief gehende Beziehungen entwickeln?" Klingt doch spannend.
Die Single-Ladys aus dem Weste

n und die liebeshungrigen Ossi-Jungs sind zwischen 25 und 50 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichen privaten und gesellschaftlichen Lebenssituationen. Sie wissen nichts voneinander, sind sich nie begegnet, nur ein paar Fotos wurden ihnen kurz vorher gezeigt. Die Frauen machten sich per Oldtimer-Bus auf die Reise .... Und dann ging es bei einer ersten Begegnung am Schweriner Schloss ans Eingemachte: Eine Woche hatten sie Zeit zum Kennenlernen, Flirten und Verlieben - das volle Dating-Programm: Ausflüge, Candle-Light-Dinners, aber auch schon erste kleine Auseinandersetzungen ... Immer mit dabei: die Fernsehkameras und - schließlich ist TV-Coaching weiter schwer im Trend - Flirt-Trainerin Nina Deißler und Therapeut Ivo Ludwig.
Das hat doch weiß Go

tt alle Zutaten für einen hübschen Quotenerfolg. Mit nur drei Folgen à 45 Minuten scheint das neue Format im Sommerloch fast ein wenig übervorsichtig zu starten. Traut das ZDF seiner eigenen Zielgruppe nicht so recht? Hat man Angst vor zu viel Presseschelte? Oder wartet man die Quoten ab und legt dann rasch nach?
Die Dokureihe ist jedenfalls komplett im Kasten. Und für die Protagonisten hat sich das ganze wohl bereits jetzt gelohnt. "Für einige Teilnehmer war diese Woche, nach eigener Aussage, die wichtigste und intensivste Woche ihres Lebens, und alle Singles haben viel über sich selbst erfahren", so Jasmin Drunagel von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Studio Hamburg Produktion GmbH. Sie beteuert auch: "Es gab einige, die sich verliebt haben." Ob es schließlich zu deutsch-deutschen Beziehungen kam, wird hier jedoch nicht verraten
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