"Pop ist kein Schimpfwort!": The Veronicas kämpfen leidenschaftlich für Popmusik

Mehr an Pop und Klischees als The Veronicas geht eigentlich kaum. Lisa und Jessica Origliasso (24) sind beide klein, zierlich und ausnehmend hübsch. Modisch ein bisschen flippig, gehen sie sowohl als Teenie-Mädchen-Vorbild wie auch als Jungsschwarm durch. Und Erstere werden sicherlich hellhörig, wenn die Namen Metro Station und Jonas Brothers fallen, denn mit beiden Bands sind The Veronicas befreundet. Absolut zielgruppenaffin sind auch ihre Pop-Songs: eingängig, modern, mal Synthie-, mal Beat-lastig produziert, mit der gewissen Wir-machen-was-wir-wollen-Punk-Attitüde. Und zu allem Überfluss sind die beiden Australierinnen, deren zweites Album "Hook Me Up" nun mit fast zwei Jahren Verspätung auch in Europa erscheint, auch noch Zwillinge. Dass sich Lisa und Jessica trotz aller (musikalischen) Ähnlichkeiten aber unterscheiden wollen, machen die beiden im Interview mehr als deutlich.

Am vorgefertigten Bild der voneinander abhängigen Zwillingsschwestern ist allerdings kaum zu rütteln. Gut, Lisa erweist sich im Gespräch als quirlige Wortführerin, dennoch reden die beiden gerne durcheinander und miteinander, ergänzen ihre Sätze gegenseitig. Und auch die optische Trennung, Jessica ist zum Zeitpunkt des Interviews erblondet, ist eben nur rein äußerlich: Klar suchten die beiden Zwillinge privat ihre Freiräume, wie Jessica erklärt, "aber wenn wir bei der Arbeit getrennt werden, dann hasse ich das."

Was Lisa anhand einer Geschichte verdeutlicht: "Ich erinnere mich an ein Konzert, bei dem Jess auf einmal auf den Rücken unseres Gitarristen George sprang und sich dabei wehtat. So sehr, dass sie nach der Show nicht beim 'Meet And Greet', beim Autogramme geben dabei war. Ich glaube, ich habe mich nie in meinem Leben unwohler gefühlt. Die Fans kamen auf mich zu, kreischend, und ich wurde plötzlich ziemlich schüchtern. Und fragte mich, was denn bitte schön mit mir los sei. Aber es war klar: Jess war nicht da. Ohne sie fühle ich mich nicht als ganze Person, fühle ich mich wie eine Fälschung."

Die "Magie zwischen Zwillingen", die Lisa beschreibt, begann bereits mit vier Jahren. Die beiden Töchter sizilianisch-stämmiger Eltern beginnen früh gemeinsam zu singen, sind Mitglied eines Musik-Theater-Ensembles ("Wir lieben Musicals! Aber dort ging es auch viel um das generelle Heranbilden einer Bühnenerfahrung"), treten in Werbespots auf und haben kleinere Rollen im Fernsehen. Alles "nichts Ernsthaftes", wie Lisa betont. Aber: Früh übt sich nicht nur, sondern zahlt sich auch aus: "Als wir mit The Veronicas das erste Mal auf Tour waren, wussten wir wenigstens schon, was ein Mikrofon ist", sagt Lisa schmunzelnd. "Das war schon eine hilfreiche Erfahrung. Du musst dir ja nur mal die Kids, die an Castingshows teilnehmen, ansehen. Die betreten zum ersten Mal überhaupt eine Bühne und machen sich in die Hose deswegen."

Richtig ernst wurde es für beide erst, als Jessica zu ihrem 18. Geburtstag eine Gitarre geschenkt bekam und die Zwillinge erste Akustik-Songs schrieben. Und als Musikmanager Hayden Bell auf die beiden aufmerksam wurde, sie unter Vertrag nahm und mit renommierten Pop-Songwritern wie Clif Magness (Avril Lavigne), Billy Steinberg (Madonna, Cyndi Lauper) und Max Martin (Britney Spears, Katy Perry, Pink) zusammenbrachte. Auch für "Hook Me Up" arbeiteten Lisa und Jessica mit großen Namen zusammen, betonen ihre Selbstständigkeit aber deutlich

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