"Identität" - Wie der Maulwurf in der Sonne

Wer zuvor Filme wie "Heavy" oder "Durchgeknallt - Girl, Interrupted" abgeliefert hat, muss mit hohen Erwartungen rechnen. Leider konnte James Mangold diese in "Identität" (2003) nicht erfüllen. In dem düsteren Psychotrip, der den Zuschauer in das Innere eines kranken Gehirns führt, verfangen sich Handlung und hochklassige Schauspieler in einem klebrigen Netz aus kaum durchdachten, aber tief-geistig strahlenden Erkenntnissen, psychologischen Krankheitsbildern, Overacting und klischeebeladenem Quatsch. ProSieben wiederholt nun den Thriller des "Walk the Line"-Machers.

In der Nacht vor der geplanten Hinrichtung wird der sechsfache Mörder und Psychopath Malcolm Rivers (Pruitt Taylor Vince) zu einer letzten Anhörung gebracht. Sein Psychiater Doktor Malick (Alfred Molina) glaubt, Beweise für eine zur Tatzeit herrschende Unzurechnungsfähigkeit seines Patienten gefunden zu haben, und will ihn vor dem elektrischen Stuhl retten.

Zur gleichen Zeit wütet draußen ein schreckliches Unwetter, das zehn Menschen zwingt, die Nacht gemeinsam in einem abgeschiedenen Motel zu verbringen. Dabei sind der Chauffeur Ed (John Cusack), die Edelprostituierte Paris (Amanda Peet), der Cop Rhodes (Ray Liotta), der Sträfling Robert Maine (Jake Busey), eine abgehalfterte TV-Schauspielerin (Rebecca De Mornay), das Pärchen Lou (William Lee Scott) und Ginny (Clea DuVall) sowie eine dreiköpfige Familie.

Als der Häftling entkommt und wenig später das Morden beginnt, machen sich Angst und Schrecken breit. Die Überlebenden sind einander auf Gedeih und (viel mehr) Verderb ausgeliefert und müssen ihrem gemeinsamen Geheimnis auf die Spur kommen, ehe das Motel gänzlich entvölkert ist.

In "Identität" beschäftigt sich James Mangold wieder einmal mit dem Verhältnis eines Außenseiters und einer Gruppe in einer Extremsituation. Dabei gelingt es ihm durchaus, dem sperrigen Stoff einige spannende Elemente abzugewinnen. Jedoch verstrickt er sich in der allzu verworrenen Geschichte des Drehbuchautors Michael Cooney. Seine Figuren agieren so hilflos wie ein Maulwurf in der Mittagssonne, die Protagonisten zelebrieren ein selbstverliebtes Overacting, sind entweder unglaubwürdig cool und abgeklärt (Cusack, Liotta) oder bewegen sich mit dem Charme eines Rehs vor des Jägers Flinte durch die Kulissen.

Während es in James Mangolds nächstem Projekt romanisch wird - geplant ist eine Komödie mit Tom Cruise und Cameron Diaz -, seht John Cusack in Roland Emmerichs Katastrophenfilm "2012" (Kinostart: 19. November) der Weltuntergang bevor.
Ausstrahlung am 27.06.2009 um 22:55 Uhr auf ProSieben

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Autor: Andreas Fischer/teleschau - der mediendienst
Bilder: ProSieben / Sony Pictures

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