Harald Juhnke: "I did it my way ..."

Wann wird ein Mensch zur Legende? "Bei der Namensnennung macht es 'klick", lautet die erste Antwort von ARD-Chefredakteur Thomas Baumann in seiner Empfehlung zur ARD-Reihe "Legenden". Wenn die ARD ihre "Legenden" porträtiere, so Baumann, dann nie ohne deren Schwächen: "Die Erfahrung von zehn Jahren lehrt: Legenden sind keineswegs unfehlbar, ihre Widersprüche gehören zu ihrer Größe." Demnach ist es fast logisch, dass in der Reihe auch einer porträtiert wurde, dem beides für immer anhaften wird: seine Größe und seine großen Schwächen. Der im vergangenen Jahr erstausgestrahlte Film ist eine Hommage an den unvergessenen und weiß Gott legendären Harald Juhnke. "Legenden - Harald Juhnke" wird am Donnerstag, 11. Juni, 21.50 Uhr, im SWR Fernsehen wiederholt. Nicht die einzige TV-Hommage in diesen Tagen, denn der unvergessene Entertainer wäre am 10. Juni 80 Jahre alt geworden.

Harald Juhnke reiht sich ein in die Riege der ganz Großen: Schon das "Rat-Pack" Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin waren Ausnahme-Entertainer ihrer Zeit. Wie diese Legenden folgte auch der deutsche Lebemann hinter der Bühne, nach der letzten Klappe, der Gepflogenheit, die in der Branche über lange Zeit eine traurige Tradition besaß: Er trank. Oft bis zur Besinnungslosigkeit. Die Abstürze kosteten Harald Juhnke die Karriere, weniger das Ansehen.

Zuletzt lebte der an Demenz erkrankte Schauspieler in einem Pflegeheim in Berlin. An eine Rückkehr auf die Bretter, die für ihn die Welt bedeuteten, war nicht mehr zu denken, auch wenn das viele TV-Macher gerne gesehen hätten. Ende Februar 2005 wurde Juhnke mit akutem Flüssigkeitsverlust in das Krankenhaus Rüdersdorf bei Berlin eingeliefert und musste danach künstlich ernährt werden. Am 1. April 2005 starb der Schauspieler im Alter von 75 Jahren an den Folgen seiner Krankheit.

Das ZDF präsentierte zu seinem 75. Geburtstag die Gala "Harald Juhnke - Ein Leben für die Show" - allerdings ohne den geschwächten Entertainer. Wer konnte es Ehefrau Susanne Juhnke verdenken, dass sie sich gegen die öffentliche Vorführung ihres Mannes mit Händen und Füßen wehrte. Sie hielt immer zu ihm, obwohl er einst gestand: "Fast jede Partnerin vor den Kulissen wurde meine Bettgenossin hinter den Kulissen." Auch Juhnkes Sohn Peer reagierte vor fünf Jahren gereizt auf Senderanfragen: "Es ist eine unerträgliche Vorstellung, einen so kranken Mann vor die Kamera zu zerren."

"Kein Mann trinkt zum Vergnügen", hat Hemingway gesagt. Und Juhnke trank aus der Unsicherheit heraus, seinen hohen Anforderungen nicht gerecht werden zu können. Sein Freund, der Regisseur Jürgen Wölffer, erklärte: "Wenn er glaubte, einen Berg oder eine besondere Rolle nicht meistern zu können, hat er allzu schnell zum Alkohol gegriffen, sich wohl aus Feigheit oder Angst vor der Hürde gedrückt."

Doch die Exzesse taten seiner Popularität keinen Abbruch. Harald Juhnke profitierte lange von seiner Sucht, zu der er sich offen bekannte. "Ich bin ein Kind der Boulevard-Presse. Ich fülle ihr Sommerloch. Früher war's Nessie, heute ist's Juhnke. Es heißt, ich sei so eine Art Kult-Figur für junge Leute. Die Ehrlichkeit macht da einiges aus", resümierte der Showmann. Nur wer klein ist, gefällt den kleinen Leuten. "Die Leute mögen mich so, wie ich bin. Ich versteh's ja manchmal auch nicht. Selbst wenn Theatervorstellungen abgesagt wurden - sie waren am nächsten Tag wieder da

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